Themen
Termine und Adressen
 
Per E-Mail versenden
Diese Funktion steht nur angemeldeten Mitgliedern zur Verfügung.
Drucken

Digitale Bibliothek Mecklenburg-Vorpommern offiziell gestartet

15.6.2017, Online-Redaktion Verlag Dashöfer, Quelle: Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald
Am 14. Juni 2017 startete Birgit Hesse, Ministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Mecklenburg-Vorpommern die Digitale Bibliothek Mecklenburg-Vorpommern als gemeinsame, zentrale Präsentationsplattform für die digitalisierten Kulturgüter aus Bibliotheken, Archiven und Museen im Land.

Derzeit präsentieren elf Archive, acht Bibliotheken, zwei Museen und mehrere wissenschaftlichen Sammlungen fast 30.000 Objekte mit rund 3,2 Millionen digitalisierten Seiten in der Digitalen Bibliothek. Das Land hat die jetzt abgeschlossene Entwicklungsphase mit insgesamt 78.351 Euro gefördert.

Mit der Aufnahme des Regelbetriebes der Digitalen Bibliothek können moderne Präsentationsformen und Mitmachangebote genutzt werden. Die beteiligten Einrichtungen präsentieren nun bei der Digitalisierung ihrer Bestände eine gemeinsame technologische Plattform und reichern ihre Digitalisate nach einheitlichen internationalen Standards mit Metadaten an. Erst dadurch wird das riesige Datenangebot effizient und erfolgreich durchsuchbar.

„Die Digitale Bibliothek stellt kulturhistorisch bedeutende Quellen für den privaten und wissenschaftlichen Gebrauch kostenlos zur Verfügung. Sie ermöglicht es, unabhängig von Ort und Zeit, die kulturhistorischen Schätze des Landes einzusehen“, sagte Wissenschaftsministerin Birgit Hesse. „Die Digitale Bibliothek des Landes ist als digitale Quellensammlung für die Deutsche Digitale Bibliothek konzipiert. Ich wünsche mir, dass sie zu einem zentralen Portal für Kultur und Wissen wird. Die Universitätsbibliotheken sind dabei die tragenden Säulen des Projektes. Sie verfügen über die technische Infrastruktur und fachkundiges Personal“, lobte Ministerin Birgit Hesse.

Wer ist an dem Projekt beteiligt?

Die dezentrale Organisation sowie das spartenübergreifende und auf Kooperation bauende Konzept ist ein besonderes Kennzeichen der Digitalen Bibliothek Mecklenburg-Vorpommern.

  • Neun Bibliotheken: Landesbibliothek Schwerin, Universitätsbibliotheken Greifswald und Rostock Stadtbibliothek Güstrow, mehrere Kirchenbibliotheken, wie beispielsweise die „Bibliothek des Geistlichen Ministeriums“ im Dom zu Greifswald und der Kirchenbibliothek Barth und die Spezialbibliothek der Moorbibliothek der Michael Succow Stiftung in Greifswald.
  • Elf Archive: das Landeshauptarchiv mit den Standorten Schwerin und Greifswald, das Archiv der Nordkirche mit den Standorten Schwerin und Greifswald, die Stadtarchive Rostock, Schwerin, Stralsund, Wismar, die Universitätsarchive in Greifswald und Rostock und das Pfarrarchiv Grimmen
  • Vier Museen und Sammlungen: das Pommersche Landesmuseum, das Kulturhistorische Museum Rostock, die Historische Kartensammlung und die akademische Kunstsammlung der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

Zusammen bieten die Kooperationspartner derzeit ca. 33.000 digitale Objekte mit ca. 3.3 Millionen Images an, wobei 90 Prozent von den Bibliotheken, sieben Prozent von den Archiven und drei Prozent von den Museen bereitgestellt werden.

Nicht nur im übertragenen, auch im technischen Sinne ist die Digitale Bibliothek Mecklenburg-Vorpommern für die Kooperationspartner das „Fenster zur Welt“. Ihre früher vereinzelten Angebote werden in der gemeinsamen Präsentation besser wahrgenommen. Zugleich können viele Kooperationspartner über die Plattform ihre Angebote in nationale und internationale Portale wie wie beispielsweise die Deutsche Digitale Bibliothek oder Europeana einspeisen.

Was leistet die Digitale Bibliothek?

Die Digitale Bibliothek Mecklenburg-Vorpommern verknüpft die Basisangebote der Bibliotheken und Archive des Landes; sie ist sowohl über den zentralen Onlinekatalog als auch über das regionale Archivportal erreichbar und umgekehrt. Die Verbindung der Angebote auf einer Plattform schafft darüber hinaus eine zuvor nicht gekannte Vernetzung von Inhalten, die noch vertieft werden kann. Hinzu kommt, dass Kultureinrichtungen an den technologischen Fortschritten, wie z. B. Volltextsuche und verbesserte Bildwiedergaben partizipieren können, die die Universitäten im Rahmen von Forschungsprojekten zum Thema Digitalisierung erzielen.

Nutzer können beispielsweise eine mittelalterliche Silbermünze betrachten und sich zugleich deren Beschreibung in einem gedruckten Katalog aufrufen. Sie können die Urkunde einer Stadtrechtsverleihung anschauen und parallel dazu den Text in einer gedruckten Edition lesen. Davon profitieren nicht nur die Nutzer. Mit der Technologie stehen den beteiligten Kooperationspartnern jetzt Erschließungsformen und Präsentationstechniken zur Verfügung, die in ihrer spartenspezifischen Erschließungskultur bislang keine Rolle spielten. Ein Beispiel ist die Verwendung von Normdaten, die bislang eine Domäne der Bibliothekare war und nun im Rahmen der Digitalen Bibliothek auch von den Archiven verwendet wird. Ein besonders beeindruckendes Beispiel für das innovative Potenzial der Kooperation ist die Volltexterkennung, die bislang vor allem für jüngere Druckwerke eingesetzt wurde und deren Anwendbarkeit nun auch für Handschriften erkundet wird.

Wie können Bürger mit Crowdsourcing zu Wissenschaftlern werden?

Die Nutzer können sich an der Informationsanreicherung für die Digitale Bibliothek beteiligen. Das Crowdsourcing-Tool der Digitalen Bibliothek gestattet es dem registrierten qualifizierten Nutzer, einzelne Objekte mit Kommentaren, Hinweisen und weiteren Daten zu versehen. Die Nutzer schaffen so einen besonderen Mehrwert, der durch die bereitstellenden Einrichtungen nicht mit vertretbarem Aufwand erreichbar ist.

Die Projektbeteiligten sehen in Crowdsourcing eine Chance, bürgerwissenschaftliche Forschung, auch bekannt als Citizen Science, zu ermöglichen. Voraussetzung ist hier allerdings ihre Förderung durch Drittmittel. Die Digitale Bibliothek ist für solche Projekte eine geeignete technische Basis. Mehrwert – Bürgerbeteiligung – Drittmittel: das ist eine klassische win-win-Situation und zeigt das Zukunftspotenzial der Digitalen Bibliothek auf. Dieses kollaborative Verfahren wird 2017 in einem ersten Projekt anhand des digitalisierten Pommerschen Volkskundearchivs getestet.

Wie sieht die technische Basis aus?

Im technischen Sinne stellt die Digitale Bibliothek ein komplexes Gebilde dar, das funktional aus vier Hauptbereichen besteht:

  1. Dateningest (Dateneingabe): Ein Komplex von Schnittstellen für die unterschiedlichen Standarddatenformate der bibliothekarischen, archivalischen und musealen Informationssysteme die dem Import von Metadaten dienen. Das heißt: unterschiedliche Formate werden so konvertiert , dass sie letztlich über ein Ausgabegerät einheitlich angezeigt werden.
  2. Organisation: Ein gleichartiger und erprobter Workflow zur Prozessteuerung und -verarbeitung (goobi), das an den beiden Universitätsbibliotheken des Landes in Rostock und Greifswald parallel betrieben wird.
  3. Sicherung: Leistungsfähige Speichersysteme zur Gewährleistung der Hochverfügbarkeit der Daten und der Nachhaltigkeit. Hierzu werden die Kapazitäten der beiden Hochschulrechenzentren des Landes genutzt, eine zusätzliche Sicherung entsteht durch die Datenspiegelung in beiden Systemen.
  4. Präsentation: Der an der Universitätsbibliothek Greifswald mit der Firma Intranda entwickelte Viewer, der für die einheitliche Darstellung aller digitalen Objekte und Daten verantwortlich ist und diverse Tools zur Benutzung dieser Daten für die Öffentlichkeit zur Verfügung stellt.

Die Daten werden an den Universitäten Greifswald und Rostock auf einem zentralen Präsentationsserver gepflegt. Eine Gruppe von Spezialisten der Fachverbände und der Universitätsbibliotheken koordiniert die Weiterentwicklung.


Per E-Mail versenden
Diese Funktion steht nur angemeldeten Mitgliedern zur Verfügung.
Drucken