Ivonne Rohmann: Fundraising: Ein Ausblick (In: Erfolgreiches Management von Bibliotheken und
Informationseinrichtungen, hrsg. von Prof. Dr. Hans-Christoph Hobohm • Prof. Dr. Konrad Umlauf, Hamburg: Dashöfer 2011, Abschn. 5.5.10)
Vor dem Hintergrund der sich seit langem kontinuierlich ausweitenden
Krise des Sozialstaats wird die Grundfinanzierung von Bibliotheken durch Bund,
Länder und Kommunen in Zukunft noch stärker reduziert werden und im Höchstfall
zur Finanzierung der Kernaufgaben reichen, nicht aber für zusätzliche Aufgaben
und Angebote im Bibliotheks- und Kulturbereich. Doch statt in dieser Situation,
in der immer größere Anforderungen mit immer weniger Mitteln bewältigt werden
müssen, mit der Einwerbung zusätzlicher Ressourcen zu beginnen bzw. bestehende
Fundraising-Aktivitäten auszuweiten, wird die Personalkapazität in diesem
Bereich, soweit überhaupt vorhanden, immer stärker reduziert. Doch: Sparen beim
Fundraising und bei der Öffentlichkeitsarbeit, dass heißt sparen an der falschen
Stelle. Denn nur wer um Geld bittet, bekommt auch welches. Und in der Regel
bekommt derjenige, der sich optimal in der Öffentlichkeit positioniert, der sich
seiner Stärken und Erfolge bewusst ist und diese auch ausreichend kommuniziert,
am ehesten und am meisten.
Bibliotheken haben in ihrer Funktion als Mittler zwischen Tradition
und Moderne, als Bewahrer des kulturellen Erbes und moderner, innovativer
Informationsdienstleister eine besondere gesellschaftliche Bedeutung, der sie
sich immer bewusst sein sollten. Sie wollen Geld von Privatleuten, Unternehmen
und Stiftungen, doch sind sie deshalb noch lange keine Bittsteller, wie viele
von ihnen glauben. Sie sind gleichwertige und gleichberechtigte Partner, die im
Rahmen einer Zusammenarbeit als viel frequentierte Kulturinstitutionen ersten
Ranges ihr positives Image, ihr „symbolisches Kapital“ einbringen können. Und
dies, ohne dass es weniger wird (Knoche 2006).
Dass sich der Staat dabei aus seiner Verantwortung für Bibliotheken
zurückziehen oder in einer ‚Public Private Partnership’ von Seiten des
Unternehmens zu viel Einfluss auf die Einrichtung genommen werden könnte, sind
oft von Kritikern des Fundraisings vorgebrachte Argumente. Doch zeigt das
Beispiel der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar, die seit langem sehr
erfolgreich mit internationalen Großunternehmen kooperiert, dass dies nicht der
Fall sein muss.