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Peinlich: IGLU-Studie zeigt dramatische Bildungsungerechtigkeit in Deutschland

7.12.2017, Online-Redaktion Verlag Dashöfer, Quelle: Deutscher Kulturrat e.V.
Die Ergebnisse der IGLU-Studie zeigen, wie stark die Lesekompetenz vom familiären Bildungshintergrund abhängt. Der Deutsche Kulturrat sieht die Bundesregierung in der Verantwortung: Sie wird in der Bildungspolitik mehr Verantwortung übernehmen müssen.

Heute wurden die Ergebnisse der neuen IGLU-Studie vorgestellt. In der Studie werden alle fünf Jahre das Leseverständnis von Schülerinnen und Schülern am Ende der vierten Jahrgangsstufe im internationalen Vergleich untersucht. An der Studie haben 2016 insgesamt 47 Staaten und 10 Regionen teilgenommen. In Deutschland wurden 4.277 Schülerinnen und Schüler aus 208 Grundschulen in die Untersuchung einbezogen.

Ein Ergebnis der Studie ist: In Familien, in denen es mehr Bücher gibt und die Eltern Berufe mit höherer Qualifikation ausüben, können die Grundschüler deutlich besser lesen und mit Texten umgehen als in Familien, in denen das nicht der Fall ist. Damit „gehört Deutschland weiterhin zu den Staaten, in denen die sozialbedingten Leistungsunterschiede am höchsten ausfallen„, heißt es in der Studie.

In der Studie wird formuliert: „Für keinen Teilnehmer zeigen sich im Vergleich mit Deutschland signifikant größere sozial bedingte Disparitäten in den Leseleistungen. In Ungarn, Bulgarien, der Slowakei, Israel, Neuseeland, Österreich und Frankreich sind die Leistungsunterschiede nicht signifikant verschieden von Deutschland. In den meisten Staaten, darunter auch vielen EU-Mitgliedsstaaten, fallen die sozial bedingten Disparitäten in den Schülerleistungen signifikant geringer aus.

Im Vergleich von 2001 zu 2016 ist in den meisten Teilnehmerstaaten und -regionen keine Veränderung von sozialen Disparitäten zu beobachten. Deutschland aber gehört neben der Slowakei, Slowenien und Ungarn zu den vier Staaten, in denen soziale Disparitäten seit 2001 signifikant zugenommen haben.“

Der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann, sagte: „Das Peinlichste an unserem Bildungssystem ist, dass die Herkunft der Kinder maßgeblich über ihren Bildungserfolg entscheidet. Nach jeder neuen Studienveröffentlichung, ob IGLU oder PISA, wird Besserung gelobt, passiert ist sehr, sehr wenig. Die sozialen Disparitäten haben sogar im Grundschulbereich seit 2001 signifikant zugenommen. Die zukünftige Bundesregierung wird in der Bildungspolitik mehr Verantwortung übernehmen müssen, da offensichtlich die Länder diese Aufgabe nicht alleine bewältigen können.“


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