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Arbeitszeitmodelle: Telearbeit

Garantiert 8.11.2016, Ulrich Naumann, Quelle: Verlag Dashöfer GmbH

Ulrich Naumann: Arbeitszeitmodelle: Telearbeit (In: Erfolgreiches Management von Bibliotheken und Informationseinrichtungen, hrsg. von Prof. Dr. Konrad Umlauf • Prof. Cornelia Vonhof, Hamburg: Dashöfer 2015, Abschn. 4.4.5.5)

Telearbeit ist ein Arbeitszeitmodell, das insbesondere mit dem Ausbau der technologischen Voraussetzungen und der damit ermöglichten Trennung vom Standort der Arbeitsleistung und vom Standort des Betriebes möglich wurde.* Sie wird heute vorzugsweise in Form der alternierenden häuslichen Telearbeit geleistet. Mit dieser Ausgestaltung des Arbeitszeitmodells soll vor allem der von den Gewerkschaften und Personalräten befürchteten sozialen Isolierung entgegengewirkt werden. Manche individuellen Vereinbarungen mit Tarifbeschäftigten und Beamten begrenzen den häuslichen Arbeitsanteil auf maximal 60 % und eine Dauer von drei Jahren, die aber verlängert werden kann. Für die Dienststellen entsteht dabei ein Kosten-Problem, da sie in der Regel zwei Arbeitsplätze zu Hause und im Betrieb vorhalten müssen und neben einem Teil der Telekommunikationskosten auch ein Nutzungsentgelt für den Flächenbedarf des häuslichen Arbeitsplatzes entrichten.* Es gibt aber auch die wenig arbeitnehmerfreundliche Haltung, dass einem Telearbeitsverhältnis nur zugestimmt wird, wenn der Arbeitnehmer alle dafür anfallenden Kosten selbst trägt, weil er es letztlich sei, der davon den größeren Nutzen habe.* Teilweise wird Telearbeit auch als „desk-sharing“ angeboten, was den Telearbeitenden zwingt, sich mit einem anderen Benutzer seines Arbeitsplatzes abzustimmen oder sich bei betrieblicher Anwesenheit auf einen durch Abwesenheit des dort regelmäßig Beschäftigten freien Arbeitsplatz zu setzen.*

Für das Arbeitszeitmodell und seine Akzeptanz bei den Beschäftigten ist wichtig, dass neben der Freiwilligkeit für diese Arbeitsform im Gegensatz zu anderen Formen der Trennung von Arbeitsort und Betriebsort, etwa bei der Heimarbeit, der in Telearbeit Beschäftigte als Mitarbeiter mit allen Rechten und Pflichten aus dem Arbeitsverhältnis den übrigen, im Betrieb „vor Ort“ Beschäftigten gleichgestellt ist.

Als Arbeitszeitmodell wird hier in der Regel die weitestgehende Form der Arbeitszeitgestaltung in Form der selbstgewählten Arbeitszeitverteilung realisiert. Damit gewinnt Telearbeit den Charakter einer „Vertrauensarbeitszeit“, weil der Vorgesetzte die tatsächliche Arbeitsleistung weder unmittelbar beobachten kann noch aufgrund entsprechender Dienstvereinbarungen kontrollieren darf. Da ein solches „Vertrauen können“ hohe Anforderungen an den Arbeitgeber (beispielsweise Führen durch Zielvereinbarung) und an den Arbeitnehmer (Selbstorganisationsfähigkeit, technologisches Verständnis, Trennen zwischen Arbeit und Freizeit) stellt, ist dieses Arbeitszeitmodell nicht für alle Arbeitgeber (in der weiteren Definition, die auch die Leitungsebenen in den Bibliotheken mit einschließt) und Arbeitnehmer geeignet. Zu den Zielvereinbarungen, die einvernehmlich zwischen dem Arbeitgeber und dem Beschäftigten festgelegt werden, können beispielsweise Termine zum Erledigen bestimmter qualitativer Arbeitsleistungen gehören. Arbeitsmengen dürften wegen des Verbots der Leistungskontrolle in den Personalvertretungsgesetzen schwerer zu begründen sein. Entscheidend ist, dass das Erreichen des Ziels ausschließlich vom Arbeitseinsatz des Beschäftigten abhängig ist.

Für Bibliotheken wurde die prinzipielle Möglichkeit der Arbeitsleistung in Form von Telearbeit mehrfach positiv beantwortet.* Hierfür eignen sich alle Arbeitsaufgaben, die gegenüber dem Benutzer zeitlich asynchrone Dienstleistungen oder Vorstufen bibliothekarischer Dienstleistungen (also solche sind Erwerbung und Medienerschließung anzusehen) sind. Auch Leitungsaufgaben können dazu gerechnet werden, da sie nicht immer im unmittelbaren Kontakt mit Betriebsangehörigen bearbeitet werden müssen (beispielsweise umfangreiche Planungsaufgaben). Für Leitungsaufgaben in Bibliotheken wurde die Anwendbarkeit in mehreren Praxisbeispielen belegt.* Aber selbst für die Dienstleistung „Auskunftserteilung“ sind inzwischen Arbeitsformen realisiert worden, die dies in Telearbeit ermöglichen.*

Die folgende Checkliste soll bei der Entscheidung helfen, ob ein Telearbeitsverhältnis in Frage kommt.

Checkliste Telearbeit für Arbeitnehmer*

Allgemeine Aspekte

  • Arbeiten Sie gern alleine?

  • Ist Ihre fachliche Qualifikation ausreichend, um unvorhersehbare Probleme zu bewältigen?

  • Legen Sie sich zu Arbeitsbeginn konkrete Ziele fest, die Sie dann auch erreichen?

  • Können Sie konzentriert arbeiten oder lassen Sie sich leicht ablenken?

  • Können Sie auf regelmäßigen Kontakt mit Menschen während der Arbeit verzichten?

  • Sind Sie in der Lage, sich selbst zu motivieren?

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