Themen
Termine und Adressen
 
Per E-Mail versenden
Diese Funktion steht nur angemeldeten Mitgliedern zur Verfügung.
Drucken

Aufbau und Vernetzung eines Repositoriums

14.11.2012, Dr. Uwe Müller, Frank Scholze, Quelle: allianz-initiative.de
Ein digitales Repositorium gehört heute zur Grundausstattung der Informationsinfrastruktur einer wissenschaftlichen Einrichtung. Hier werden Publikationen online und zumeist im Sinne von Open Access bereitgestellt, deren Autoren an der betreffenden Institution als Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern oder Studierende tätig sind.

Die Deutsche Initiative für Netzwerkinformation (DINI) listet inzwischen etwa 170 Repositorien, von denen allerdings einige keine institutionelle, sondern eine fachbezogene Ausrichtung haben1. Inhaltlich verantwortet werden institutionelle Repositorien in der Regel durch die Bibliothek der jeweiligen Einrichtung, die den technischen Betrieb allerdings oftmals ausgelagert hat – etwa an das Rechenzentrum oder an einen externen Hosting- Anbieter2. Zur technischen Realisierung eines Repositoriums stehen mehrere Softwarelösungen zur Auswahl. Abgesehen von der Frage, welches Produkt sich am besten eignet und ob das Repositorium durch einen Dienstleister betrieben werden soll, gilt es beim Aufbau eines entsprechenden institutionellen Angebots weitere Aspekte zu klären – etwa die Formulierung von Leitlinien, den Einsatz von Personal und die Etablierung von Workflows zur Bereitstellung der Publikationen3.

An Universitäten in Deutschland sind viele institutionelle Repositorien ursprünglich aus so genannten Hochschulschriftenservern hervorgegangen, auf denen elektronische Dissertationen und Habilitationsschriften veröffentlicht wurden. In Bezug auf die Art der bereitgestellten Materialien ist inzwischen eine deutlich höhere Vielfalt zu beobachten. Vielfach liegt der Schwerpunkt auf so genannten Zweit- oder Parallelpublikationen, die als Pre- oder Postprints vor bzw. nach einer regulären Verlagsveröffentlichung bereitgestellt und damit unabhängig von den kostenpflichtigen Angeboten verfügbar gemacht werden (Grüner Weg zu Open Access). Daneben nutzen viele wissenschaftliche Einrichtungen ihr Repositorium aber auch für andere Veröffentlichungsarten.

Die Spanne reicht dabei von Instituts- oder Schriftenreihen über Konferenz- und Sammelbände, ganze elektronische Zeitschriften bis hin zu Lehr- und Lernmaterialien sowie Seminar- und Abschlussarbeiten von Studierenden. Um der Gefahr der Beliebigkeit innerhalb derartiger Angebote zu begegnen und qualitative Mindeststandards zu gewährleisten, werden die Materialien in einigen Institutionen inzwischen auf mehrere Repositorien oder Kollektionen mit unterschiedlichen Ausrichtungen verteilt. Eine wissenschaftliche Qualitätskontrolle, wie sie etwa durch ein Begutachtungssystem bei Fachzeitschriften erfolgt, gibt es bei Repositorien dagegen in der Regel nicht. Welchen Anforderungen ein vertrauenswürdiges Repositorium genügen sollte, wird seit 2004 im Kriterienkatalog des DINI-Zertifikats Dokumenten- und Publikationsservice beschrieben, das 2010 in seiner dritten Fassung erschien4. Zu den Kriterien zählen unter anderem die Sichtbarkeit des Gesamtangebots, die Unterstützung von Autoren und Herausgebern, rechtliche Aspekte, Fragen der Informationssicherheit, der Erschließung und der Langzeitarchivierung. Eine wesentliche Rolle spielt darüber hinaus die Vernetzung.

Vernetzung und Einbettung

Repositorien, zumal institutionell ausgerichteten, wird oftmals die Funktion eines Schaufensters der betreffenden Einrichtung zugeschrieben. Hier ist im Idealfall all das versammelt und verfügbar, was die Institution an wissenschaftlichen Ergebnissen in Form von Veröffentlichungen hervorgebracht hat. Aus Sicht von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern mit einem bestimmten Informationsbedürfnis ist ein solches Repositorium allerdings kaum hilfreich, da eine gewisse Vollständigkeit hier allenfalls in Bezug auf die Gesamtinstitution, nicht aber in Bezug auf das Spezialgebiet des jeweils Recherchierenden erwartet werden kann. Daher dürfen Repositorien nicht als abgeschlossene Systeme verstanden und betrieben werden. Entscheidend für deren Erfolg, der sich letztlich an der Nutzung durch Autoren und Leser bemisst, sind vielmehr ihre institutsübergreifende Vernetzung sowie ihre Einbettung in die Informationsinfrastruktur der eigenen Einrichtung.

Grundlage für die Vernetzung sind standardisierte Schnittstellen für den Export von Metadaten und Volltexten zu übergreifenden Diensteanbietern. Diese Schnittstellen ermöglichen die Verbreitung der gespeicherten Dokumente. Damit sorgen Repositorien für eine hohe Sichtbarkeit der Publikationen, z. B. in Suchmaschinen wie Google Scholar oder in disziplinären Portalen. Somit unterstützen Repositorien das Anliegen wissenschaftlicher Einrichtungen, den Transfer der an der Institution gewonnen Erkenntnisse zu maximieren.

Abgesehen von der Vernetzung nach außen spielt die Einbettung institutioneller Repositorien in die Informationsinfrastruktur einer Einrichtung oder einer Fachcommunity eine größer werdende Rolle. Dabei sind unterschiedliche Tendenzen zu beobachten, die sich derzeit an unterschiedlichen Standorten in der Erprobung befinden – beispielsweise die Integration mit Publikationsdatenbanken bzw. Instituts- oder Hochschulbibliografien, in denen auch Veröffentlichungen verzeichnet sind, für die kein elektronischer Volltext verfügbar ist. Ein anderer Ansatz besteht darin, das wissenschaftliche Publizieren stärker als Teil des Forschungsprozesses insgesamt zu begreifen und Repositorien mit Forschungsinformationssystemen zu verknüpfen oder vollständig zu integrieren5. Allen diesen Bemühungen ist gemein, Repositorien und die damit in Beziehung stehenden Workflows stärker in den wissenschaftlichen Alltag und die ohnehin bestehenden Informationsflüsse zu integrieren. Der praktische Vorteil dieser Entwicklung liegt z. B. darin, dass die Publikationen eines Autors oder eines Projektes per Mausklick sichtbar sind und so ohne Aufwand in Publikationslisten eingefügt werden können. Ziel dieser Entwicklungen ist es, Repositorien und die darauf aufbauenden Dienste zu einer Selbstverständlichkeit werden zu lassen, ihre Benutzung in die den Forschenden vertrauten Prozesse nahtlos einzubinden und den Aufwand, eigene Publikationen offen bereitzustellen, so gering wie möglich zu halten.

 

Dr. Uwe Müller
Deutsche Nationalbibliothek
Informationstechnik
u.mueller@dnb.de

Frank Scholze
Karlsruher Institut für Technologie
KIT-Bibliothek
frank.scholze@kit.edu

 

1 Siehe http://www.dini.de/dini-zertifikat/liste-der-repositorien/.

2 Ein aktueller Überblick über Anbieter für das Hosting von Repositorien findet sich unter http://www.carpet-project. net/wissensbasis/wiki/Repositorienhosting/.

3 Dobratz & Müller, 2009.

4 Deutsche Initiative für Netzwerkinformation, 2011.

5 Siehe hierzu Scholze & Maier, 2012.

 

Creative Commons Lizenzvertrag

Dieses Werk bzw. Inhalt ist unter einem Creative Commons Namensnennung 3.0 Deutschland Lizenzvertrag lizenziert.

Per E-Mail versenden
Diese Funktion steht nur angemeldeten Mitgliedern zur Verfügung.
Drucken