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Bestandspolitik in wissenschaftlichen Bibliotheken: Ziele und Instrumente

Garantiert 11.11.2002, Konrad Umlauf, Quelle: Verlag Dashöfer GmbH

Konrad Umlauf: Bestandspolitik in wissenschaftlichen Bibliotheken: Ziele und Instrumente (In: Erfolgreiches Management von Bibliotheken und Informationseinrichtungen, hrsg. von Prof. Dr. Hans-Christoph Hobohm • Prof. Dr. Konrad Umlauf, Hamburg: Dashöfer 2011, Abschn. 8.1.1.1)

Ziele

Ein Erwerbungsprofil (Synonyme: acquisition policies, Erwerbungspolitik, Bestandsrichtlinie, Erwerbungsrichtlinie, Bestandskonzept, Bestandskonzeption, erwerbungspolitisches Konzept) gibt an,

  • nach welchen Kriterien die Bibliothek aus dem aktuellen und historischen Publikationsaufkommen auswählt,

  • in ihren Bestand aufnimmt,

  • wie sie ihren Bestand gestaltet.

Bei Wissenschaftlichen Bibliotheken stehen Aussagen über Auswahlkriterien im Vordergrund. Der Ausdruck Erwerbungsrichtlinie betont den Zusammenhang mit innerbetrieblichen Anweisungen und kann detaillierter und handlungsorientierter formuliert sein als ein Erwerbungsprofil. In deutschen Universitätsbibliotheken wird der Ausdruck Erwerbungsprofil bevorzugt und ohne Unterscheidung zum Begriff Erwerbungsrichtlinie verwendet.

Die grundlegenden Aussagen sind im Berufsbild 2000 (1998) enthalten:

Die Ziele von Bestandsaufbau und Erwerbung sind,

  • eine optimale Medienversorgung für die unterschiedlichen Kunden zu gewährleisten

  • dem Kunden der Bibliothek die benötigten Medien und Dokumente schnellstmöglich zur Verfügung zu stellen

  • den zukünftigen Bedarf vorab zu erkennen, aber auch

  • die entsprechenden Medien zu sichern

  • die Haushaltsmittel effektiv und effizient einzusetzen.

Die große und breite Palette der Buch- und Medienproduktion erfordert eine gründliche und fachgerechte Sichtung. Jede Bibliothek muß schon allein aus finanziellen, räumlichen und sachlichen Gründen eine Auswahl treffen. Die Auswahl erfolgt unter Berücksichtigung des Bestandskonzepts der Bibliothek, d. h.

  • der speziellen Aufgabe der Bibliothek

  • der Komplettierung vorhandener Bestände und

  • der Sammelschwerpunkte

  • von Absprachen auf regionaler und überregionaler Ebene

  • der Benutzerbedürfnisse

  • der Etathöhe

  • der Medienqualität (Autor, Inhalt, Darstellung)

  • von Aktualität und

  • zukünftiger Bedeutung und

  • Archivierungsrelevanz der Medien.

Der Kauf- bzw. Beschaffungsentscheid kann von einer Person oder als abgestimmte kooperative Erwerbung in Zusammenarbeit mit Nutzern und Kollegen, den Mitarbeitern eines Unternehmens oder bei Hochschul- und Spezialbibliotheken auch gemeinsam mit den Wissenschaftlern herbeigeführt werden. Voraussetzungen zur Auswahl von Medien sind:

  • Überblick über die Medienproduktion<

  • gründliche Kenntnis der Bibliographien und Angebote des Buchhandels und

  • anderer Anbieter, Auswahllisten, Besprechungsdiensten, Verlagsprofilen

  • Kontakt zur aktuellen Forschung und Lehre

  • Kenntnis der neuesten Entwicklungen der Wissenschaften und Literatur

  • Kenntnis der Erwerbungsrichtlinien

  • Kenntnisse betriebswirtschaftlicher Verfahren zur Evaluierung des Bestandsaufbaus

  • Kenntnisse soziologischer Methoden zur Erkundung des Bedarfs.

Qualitative und quantitative Kriterien

Die qualitativen Kriterien, anhand derer ein Erwerbungsprofil formuliert werden kann sind, zeigt Tabelle 1:

Tabelle 1: Qualitative Kriterien in Erwerbungsprofilen für Wissenschaftliche Bibliotheken

Kriterium Erläuterungen
Fachgebiete, Bestandssegmente Um dieses Element operationabel zu machen, wählt man solche Definitionen, die ebenso einerseits in der internen Bestands- und Ausleihstatistik verwendet werden, andererseits in den bibliografischen Hilfsmitteln, die dem Bestandsaufbau zugrunde liegen.
Länder, Sprachen aus denen erworben wird bzw. in denen die zu erwerbenden Publikationen geschrieben sind. Zum Beispiel: Wieweit sollen originalsprachige Publikationen erworben werden (unverzichtbar in den Philologien, in den Naturwissenschaften nur, wenn keine deutsch- oder englischsprachige Ausgabe verfügbar)?
Bibliografischer Wert Literaturverzeichnisse in wiss. Publikationen erhöhen deren Informationswert.
Quellenwert = Bedeutung der Publikationen als Forschungsgegenstand.
Anlass und herausgebende Stellen • Bei Wissenschaftlichen Bibliotheken sind wichtig: Kongressschriften, Reports, Publikationen der besonders angesehenen wiss. Einrichtungen, z.B. Max-Planck-Institute. • Generell entscheidet man sich bei vergleichbaren Publikationen eher für diejenigen aus den renommierten Verlagen oder von den anerkannten Autoren.
Publikationstypen, Medienarten, Mediengattungen, materielle Kriterien z.B. Hard-, Softcover, Taschenbuch, CD-ROM, Loseblatt, Mikroformen, Spiralbindung, Sachbuch, Fachbuch, wiss. Buch, Handbuch, Lexikon, Lehr-, Lern-, Übungsmaterialien, Schulbuch, Bibliografie, Roman, Werkausgabe, Musiktonträger.
Platzierung im Bibliotheksgefüge Rolle der Zentralbibliothek im Verhältnis zu Zweig-/Teilbibliotheken, Arbeitsteilung mit anderen Bibliothek(system)en, z.B. bei den Sondersammelgebieten der DFG.
Ausbaustufen Wird meistens ähnlich wie im Conspectus-Modell verwendet: • 1 Minimal Level • 2 Basic Information Level • 3 Study/Instruction Support Level • 4 Research Level • 5 Comprehensive Level

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