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Bibliothekspraxis und EDV: Einsatz von Software - Software-bezogene Nutzungs- und Geschäftsmodelle

Garantiert 11.5.2022, Michael Erndt, Quelle: Verlag Dashöfer GmbH

Michael Erndt: Software-bezogene Nutzungs- und Geschäftsmodelle (In: Erfolgreiches Management von Bibliotheken und Informationseinrichtungen, hrsg. von Prof. Dr. Konrad Umlauf, • Prof. Cornelia Vonhof, Hamburg: Dashöfer 2015, Abschn. 9.3.1)

Software als Produkt

Michael Erndt: Software als Produkt (In: Erfolgreiches Management von Bibliotheken und Informationseinrichtungen, hrsg. von Prof. Dr. Hans-Christoph Hobohm • Prof. Dr. Konrad Umlauf, Hamburg: Dashöfer 2015, Abschn. 9.3.1.1)

In diesem Abschnitt wird die eigentliche Software bzw. die eigentliche IT-Anwendung (die u. U. aus mehreren, zusammenarbeitenden Software-Komponenten bestehen kann) als das zu erwerbende Produkt betrachtet. Mögliche Dienstleistungen im Zusammenhang mit dem Einsatz der Software / Anwendung werden im nachfolgenden Kapitel 9.3.2 behandelt.

Kommerzielle Software

Michael Erndt: Kommerzielle Software (In: Erfolgreiches Management von Bibliotheken und Informationseinrichtungen, hrsg. von Prof. Dr. Hans-Christoph Hobohm • Prof. Dr. Konrad Umlauf, Hamburg: Dashöfer 2015, Abschn. 9.3.1.1.1)

Lizenzgeschäft / Standardsoftware

Hierbei geht es um standardisierte Software für bestimmte Einsatzzwecke, die grundsätzlich erstmal für jede*n Käufer*in / Nutzer*in gleich ist. Eine individuelle Anpassung ist meistens in einem gewissen Umfang „nur“ durch Konfigurationsmöglichkeiten gegeben, die durch (eingearbeitete) Endnutzer*innen oder lokale Software-Administrator*innen genutzt werden können. Darüber hinausgehende, tiefergreifendere Anpassungen, die den Software-Code betreffen würden, können im Lizenzgeschäftsmodell – falls überhaupt – allenfalls als zusätzliche Dienstleistung eingekauft werden.

Typischerweise handelt es sich dabei um Software für den Massenmarkt bzw. für einen größeren Markt mit Kunden, die in der Hauptsache mehr oder weniger gleich ausgerichtete Anforderungen haben. Hierbei ist meistens nicht die bereits vorhandene / entwickelte Standardsoftware das eigentliche Produkt (und schon gar nicht das Urheberrecht am Programmcode), das erworben wird, sondern die Lizenz (das Nutzungsrecht), diese Software für eine bestimmte (oder unbegrenzte) Zeit nutzen zu können.

Hinsichtlich der Nutzungslizenzen gibt es wiederum verschiedene Varianten: Zeitlich begrenzt / unbegrenzt, (personalisierte) Einzellizenz, Arbeitsplatz-/Serverlizenz, Mehrfach-/Volumen-/Parallellizenzen, Concurrent-Use- und Current-Use-Lizenzen, Institutions-/Organisationslizenz, Standortlizenz, Abo-Lizenz.

Wichtige Fragen / Aspekte sind hierbei:

  • Was genau wird erworben? Wie ist der Umfang der übertragenen Nutzungsrechte?

  • Wie ist die Situation bzgl. Software-Updates und Support im Hinblick auf die Nutzung der Software?

  • Umfasst die Nutzungslizenz auch zukünftige neue / erweiterte Versionen der Software oder müssen hierfür neue Lizenz(en) gekauft werden?

  • Was ist – vor allem im Hinblick auf die beiden zuletzt erwähnten Fragen – eine sinnvolle Nutzungsdauer?

Projektgeschäft / Individualsoftware

Im Gegensatz zu Standardsoftware, bei der das eigentliche Produkt die Lizenz für die Nutzung der Software ist, geht es im Bereich Projektgeschäft um individuelle, neu zu entwickelnde Software, bei der die neu entstandene Software das Kernprodukt ist, das erworben wird. Die benötigte, spezielle Software entsteht dabei im Rahmen eines Software-Projekts zwischen Kund*in/Nutzer*in und Anbieter/Entwickler. Die Entwicklung benötigter Individualsoftware kann je nach Art, Größe und Tätigkeitsbereich der Organisation / Einrichtung u. U. auch inhouse durch eigene Mitarbeiter*innen mit entsprechenden Kompetenzen und Kapazitäten geschehen.

Gerade beim Projektgeschäft ist es wichtig, den weiteren Lebenszyklus der Software über die Erstentwicklung hinaus zu bedenken bzw. zu regeln. Im Hinblick auf eine langfristige Nutzung, zukünftige Erweiterungen / Anpassungen und insbesondere im Hinblick auf den Aspekt der IT-Sicherheit (Sicherheitsupdates) ist eine wohlüberlegte und gründliche Prüfung und Auswahl von Anbietern äußerst wichtig.

Auch Software unterliegt dem Urheberrecht, welches gemäß Urheberrechtsgesetz auch nicht übertragen werden kann. Es ist daher insbesondere bei Individualsoftware wichtig, sich im Vorfeld Gedanken über die Übertragung von Nutzungsrechten durch den Ersteller der Software an den Auftraggeber zu machen (nur Nutzung? Auch Änderung? Auch Weitergabe / Vermarktung? Usw.) und dies auch eindeutig vertraglich festzuhalten.

Hybride Übergangsformen

Die Unterscheidung zwischen Lizenzgeschäft / Erwerb von Standardsoftware und Projektgeschäft / Entwicklung von Individualsoftware kann fließend sein, je nachdem, wie hoch der Anpassungsgrad einer Standardsoftware an individuelle Begebenheiten / Anforderungen ist. Weicht eine angepasste Standardsoftware soweit von der ursprünglichen Standardversion ab, dass Updates für die Standardversion nicht mehr auf die angepasste Version angewendet werden können, handelt es sich faktisch um eine Individualsoftware, die auf einer Standardsoftware basiert.

Je mehr eine Software / Anwendung an lokale Begebenheiten angepasst bzw. individualisiert wurde, desto höher sind in der Regel die begleitenden Dienstleistungen bzw. der „Pflegeaufwand“ rund um den Betrieb der Software (Schulung, Support, (Sicherheits-)Updates, weitere Anpassungen, falls sich lokal Rahmenbedingungen ändern usw.).

„Erwerbungsarten“ kommerzieller Software

Hier werden bestimmte Grundformen von Software-„Erwerb“ aufgeführt. In der Praxis können unterschiedliche Ausprägungen und hybride Mischformen (z. B. Mietkauf) auftreten.

  • Kauf: Uneingeschränkte, unbegrenzte Nutzung (einer bestimmten Version) der Software. Support/Wartung, Updates/Upgrades meist gegen Zusatzgebühr.

  • Miete: Software-Nutzung ist nicht durch einmaligen Kauf dauerhaft gewährleistet, sondern Nutzung der Software ist in Form von „Software as a Service“ (SaaS; Siehe Abschnitt 9.3.1.2.3) bzw. durch eine bestimmte Lizenzlaufzeit eingeschränkt / begrenzt.

  • Leasing: Dient vorrangig dazu, die bei einem Kauf einmaligen und oft hohen Kosten über eine bestimmte Laufzeit zu verteilen. Meist ist die Nutzung der Software nach Ende der Leasingzeit weiter möglich. Ggf. sind auch steuerliche Vorteile möglich.

  • On-Demand / Pay-Per-Use: Hierbei wird die Nutzung von Dienstleistungen / IT-Ressourcen nicht anhand einer festgelegten Pauschale abgerechnet, sondern nach tatsächlicher Nutzung bzw. pro Zugriff. Meist, aber nicht immer, basierend auf Cloud-Computing / Software as a Service (SaaS).

Open-Source-Software

Michael Erndt: Open-Source-Software (In: Erfolgreiches Management von Bibliotheken und Informationseinrichtungen, hrsg. von Prof. Dr. Hans-Christoph Hobohm • Prof. Dr. Konrad Umlauf, Hamburg: Dashöfer 2015, Abschn. 9.3.1.1.2)

Begriffsklärung Open-Source-Software (OSS)

Open-Source-Software bedeutet in der Hauptsache, dass der Quellcode („Source Code“ – die Gesamtheit der Programmzeilen) frei zugänglich und einsehbar ist. Darüber hinaus definiert sich Open Source aber noch durch weitere, zusätzliche Merkmale. Hier die Liste der Kriterien:

Merkmale von Open-Source-Software

  • Freier Zugriff auf den (für Menschen lesbaren) Quellcode.

  • Nutzung der Software ist erlaubt.

  • Weitergabe des Quellcodes ist erlaubt.

  • Veränderung/Anpassung der Software ist erlaubt.

  • Weitergabe eigener Änderungen / Anpassungen ist erlaubt.

  • Nachnutzung von Programmteilen (Code-Schnipsel) zur Entwicklung neuer Software ist erlaubt.

Dies alles kann jedoch ggf. an die Einhaltung bestimmter Regeln / Vorgaben geknüpft sein, die meistens eine Fortführung des „Open“-Gedankens gewährleisten sollen.

Dieses Prinzip des freien Austauschs von Wissen und Ideen soll zu gemeinschaftlicher Software-Entwicklung durch viele zum Wohle von vielen führen (Community-Software bzw. Open-Source-Entwicklungsmodell).

Theoretisch kann auch Open-Source-Software in einem bestimmten Rahmen zum Kauf angeboten werden und trotzdem Open Source sein, solange die zuvor genannten Kriterien erfüllt sind. Da zu diesen Kriterien aber auch der freie Zugriff auf den Quellcode gehört, zahlt man dann in der Regel nicht (nur) für den reinen Quellcode, sondern für zusätzliche Dienstleistung rund um den eigentlichen Quellcode (z. B. sofort einsetzbare / ausführbare Version der Software zum Download oder auf einem Medium, zusätzliche Handbücher / Dokumentation, Anpassungen der Ursprungsversion, Implementierung, Wartung / Support usw.).

Neben Open-Source-Software gibt es noch folgende Ausprägungen im Bereich nicht-kommerzieller bzw. eingeschränkt kommerzieller Software, die oft schwer auseinanderzuhalten sind bzw. sich teilw. nur in Nuancen oder der verfolgten Intention unterscheiden: „Freeware“, „Freie Software“, „Gemeinfreie Software“, „Public Domain Software“, „Donationware“, „Shareware“, „Freemium“.

Voneinander abweichende Aspekte sind hierbei z. B. Kostensituation, Quellcode-Zugang, Umfang der Nutzungsrechte, Umfang der Nutzungspflichten/-bedingungen usw.

Vor- / Nachteile von Open-Source-Software (OSS) gegenüber kommerziellen Nutzungs- / Erwerbungsvarianten bzw. proprietärer Software*

(mögliche) Pros

Finanzielle und/oder kapazitative Vorteile: im Normalfall keine (oder sehr geringe) Anschaffungskosten bzw. kein oder wenig eigener Entwicklungsaufwand.

Für bestimmte Einsatzzwecke u. U. mehr Auswahl / Angebot, als an kommerzieller, proprietärer Software.

Geringere Abhängigkeit von Anbieterfirma wegen offener Quellcodes und des u. U. größeren Markts für die Softwarewartung.

Kostenloser Support / Hilfestellung bei Problemen ggf. durch die entsprechende Community (Gemeinschaft der an der Software-Entwicklung Beteiligten).

Verbesserte Zukunftssicherheit durch modularen Aufbau und Orientierung an offenen Standards sowie verbreiteten Plattformen.

Je nach Verbreitung der entsprechenden Software und Engagement der Community sehr zuverlässig und sicher, da offener Quellcode dann schnelle Behebung von Fehlern und Sicherheitslücken ermöglicht.

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