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Der Embedded Librarian - Ein neues Berufsbild für Bibliothekare

3.7.2013, Anne Jacobs, Quelle: Verlag Dashöfer GmbH
Seit einigen Jahren ist die Bibliothekswelt einem enormen Wandel ausgesetzt. Neue Medien wie Internet und Social Media beeinflussen zunehmend auch die Arbeit der Bibliothekare. Aufgrund dieser veränderten Rahmenbedingungen ist es für viele Bibliothekare notwendig, ein neues Selbstverständnis für die eigene Profession und für die getätigten Aufgaben zu entwickeln. Seit geraumer Zeit werden daher neue Berufsbilder und Tätigkeitsbereiche für Informationsspezialisten konzipiert. Ein Beispiel hierfür ist der Embedded Librarian.

Abgeleitet wird dieser Begriff von den amerikanischen „Embedded Journalists“ im Irakkrieg, die Soldaten während des Militäreinsatz begleiten und somit direkt vom Kriegsschauplatz aus Bericht erstatten. - Zeichnung: Akil Salam

Bei dem Stichwort „Embedded Librarian“ handelt es sich um ein Strategiekonzept zur direkten Einbettung von Bibliothekaren in ihre jeweilige Kundengruppe. Abgeleitet wird dieser Begriff von den amerikanischen „Embedded Journalists“, eine Bezeichnung, die erstmalig im Irak-Krieg aufkam und für Journalisten verwendet wird, die Soldaten während des Militäreinsatz begleiten und somit direkt vom Kriegsschauplatz aus Bericht erstatten.

Ähnlich wie der Embedded Journalist steht auch der Embedded Librarian nicht mehr tatenlos am Rand des Geschehens, sondern begibt sich in seine Kundengruppe, um direkt vor Ort die Kunden mit seinen bibliothekarischen Services bei der täglichen Arbeit zu unterstützen. Der Bibliothekar bringt also seine Dienstleistungen und sein Know How proaktiv in die Kundengruppe ein. Dieses proaktive Verhalten führt zu einer neuen Sichtweise des Bibliothekars auf seine Kundengruppe. Stellten Bibliothekare sich bisher die Fragen: „Wie hole ich den Kunden in die Bibliothek?“ oder „Wie schaffe ich es, dass der Kunde unseren Bibliotheksservice kennt und nutzt?“, wird beim Embedded Librarianship die Sichtweise stärker auf die tatsächlichen Bedürfnisse der Kunden ausgerichtet. Ausgangsfragen sind hierbei: „Welchen Bibliotheksservice benötigt der Kunde wirklich?“ und „Wie kann ich als Bibliothekar mit meinem fachlichen Know How den Kunden direkt bei seiner Arbeit unterstützen?“

Das Ziel der Embedded Library ist somit die Integration des Bibliothekars in die Kundengruppe. Im Idealfall entwickelt sich so aus einem reinen Dienstleister-Kunden-Verhältnis eine echte Kooperation. Der Bibliothekar wird ein fester Bestandteil des Teams und unterstützt dieses mit seinem bibliothekarischen und informationswissenschaftlichen Know How.

Neben der neuen Sichtweise des Bibliothekars – sowohl auf den Kunden als auch auf seine eigene Tätigkeit – wird aber auch die Sichtweise des Kunden für die Tätigkeit des Bibliothekars verändert. Durch die direkte Bibliothekar-Kunden-Kooperation erfahren die Kunden viel deutlicher, welche Kompetenzen Bibliothekare besitzen, wie diese arbeiten, und welchen Mehrwert professionelles Medien- und Informationsmanagement mit sich bringt.

Formen der Einbettung

Im Allgemeinen kann die Einbettung in die Kundengruppe auf drei verschiedene Arten erfolgen: physisch, organisatorisch und virtuell. Bei einer physischen Einbettung wird der Arbeitsplatz des Bibliothekars aus der physischen Bibliothek herausgenommen und in die Arbeitsumgebung des Kunden verlegt. Eine organisatorische Einbettung bedeutet, dass auch das Management und die Finanzierung des Embedded Librarian von dem Management der Kundengruppe übernommen werden. Bei der virtuellen Einbettung erfolgen zusätzlich bibliothekarische Dienstleistungen über neue Medienformen, wie z.B. Blogs, Wikis, RSS-Feeds oder Online-Tutorials. Wie deutlich zu sehen ist, sind viele Spezialbibliotheken von sich aus physisch und organisatorisch innerhalb ihrer Trägerorganisation eingebettet. Um aber auch tatsächlich als Embedded Library zu agieren, bedarf es noch weiterer Integrationsmaßnahmen. Möglichkeiten zu einer Integration ins Team gibt es zahlreiche. Beispiele hierfür sind:

  • Austausch mit dem Kunden über dessen Informationsbedürfnisse
  • Austausch mit dem Management über die Informationsbedürfnisse der Trägerorganisation; Welche Ziele hat die Organisation? Wie kann der Bibliothekar zur Erfüllung dieser Ziele beitragen?
  • Schulungen zu Informationsressourcen in den Räumen und der Umgebung des Kunden
  • Teilnahme an Besprechungen der Kundengruppe
  • Teilnahme an Social Events der Kundengruppe (Weihnachtsfeier, Betriebsausflug, Betriebssport etc.)
  • Besuch von Schulungen, Messen oder Konferenzen der Kundengruppe

Voraussetzungen

Wichtige Voraussetzungen für die erfolgreiche Implementierung einer Embedded Library ist zum einen eine Unternehmenskultur, die die Integration von Bibliothekaren in einzelne Teams ermöglicht, zum anderen aber auch das Know How und das Selbstverständnis des Bibliothekars für sich und seine Tätigkeiten. Der Embedded Librarian versteht sich selbst als Informationsexperte. Er nimmt dabei nicht die Rolle eines reinen Sachbearbeiters, sondern die des Experten für Informations- und Medienmanagement ein, und vertritt diese Position auch seinen Kollegen im Team gegenüber. Zusätzlich versucht er seinen Tätigkeitsbereich über die klassischen bibliothekarischen Dienstleistungen hinaus kontinuierlich um weitere Informationsservices zu erweitern. Daher gehört es auch zu seinen Aufgaben, die aktuellen Entwicklungen im Bibliotheks- und Informationswesen kontinuierlich zu verfolgen, und deren jeweilige Einsatzmöglichkeiten und Nutzen für die Kundengruppe und die Trägerorganisation zu prüfen.

Fazit:

Das Konzept des Embedded Librarian vermittelt ein neues Bild bibliothekarischer Tätigkeiten. Für zahlreiche Bibliotheken bietet es die Chance, sich stärker zu positionieren und innerhalb der Organisation an Ansehen zu gewinnen. Dabei sollte auch nicht vor der Übernahme neuer Tätigkeitsbereiche zurückgeschreckt werden.


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