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Die erste öffentliche Bibliothek ohne Bücher

17.1.2013, Christiane Christiansen, Quelle: Redaktion dasbibliothekswissen.de
Manche Entwicklungen hat man lange kommen sehen - und ist doch überrascht, wenn es dann soweit ist. Denn wirklich dran geglaubt hat man eigentlich nicht. Zum Beispiel dass es eines Tages wirklich eine Bibliothek geben wird, in der kein einziges gedrucktes Buch zu finden ist. Die Stadt San Antonio in Texas, USA, ist im Begriff diesen für so manchen Buchliebhaber zweifelhaften Zukunftstraum zu verwirklichen.

Es ist ja nicht so, dass das Buch zum ersten Mal seine Form ändert. Früher hat man zum Beispiel auf Papyrus geschrieben und die Blätter aufgerollt, man hat Tierhäute zu Pergament verarbeitet und zusammengenäht, auch Tonscheiben dienten schon dem geschriebenen Wort als dauerhafter Informationsträger, bis irgendwann der Buchdruck erfunden, verbessert und perfektioniert wurde, was dem heutigen „Buch” mit Umschlag und gebundenen Papierseiten zu einer Jahrhunderte währenden Tradition verhalf.

Das physische Buch ist so perfekt, perfekter geht es wohl nicht mehr. Neben der Form hat in Jahrhunderten auch der Inhalt der Bücher viele Wandlungen erfahren; was gibt es nicht alles in Buchform, Romane, Gedichte, Gesetzestexte, wissenschaftliche Abhandlungen, Bilder, Musiknoten, Lebensberatungen, Listen nützlichster und unnützester Dinge: Auch rein inhaltlich scheinen alle Möglichkeiten ausgereizt zu sein. Es wird wohl Zeit für eine radikale Neuerfindung.
Grad hatten wir diesen Befund in einer gemütlichen blauen Stunde bei einem Glas roten Weins unter Freunden zur Sprache gebracht und uns ratlos am Kopf gekratzt, da erschien der erste E-Reader auf dem Markt. Gleich mit jeder Menge vorinstallierter Literatur. Hätten wir früher schonmal tiefer ins Internet geguckt, hätten wir schon eher bemerkt, dass sich da was tut, dass zum Beispiel Geschichten plötzlich mit Links nach allen Erzählrichtungen hin geschrieben und veröffentlicht wurden (eine Entwicklung, der die ersten elektronischen Lesegeräte noch hinterherhinken) ... kurzum, das digitale Zeitalter ist bei den Büchern und damit in den Bibliotheken angekommen, und das ging ganz schön schnell. Viel zu schnell.

Die neue Technik ist noch gar nicht ganz ausgereift, neu auftauchende Probleme z.B. rund um die Lizenzierung von digitalen Werken sind noch gar nicht zu aller Zufriedenheit gelöst, da kommt sie schon: Die erste „buchlose” Bibliothek, die natürlich nicht buchlos sein wird, sondern ausschließlich Bücher in der neuen, der digitalen Form verleiht. Wie oft im digitalen Zeitalter sind die USA der Vorreiter der Entwicklung, hier genauer die öffentliche Bibliothek der Stadt San Antonio im Bexar County, Texas. Zum Herbst 2013 soll die papierlose Bibliothek fertig werden. Als Prototyp entsteht sie am Rande der Stadt in einem ausgedienten Gebäude der Bezirksverwaltung.

BiblioTech nennt sich das Projekt. Der Prototyp soll gestaltet sein wie ein Internetcafé, mit lauter elektronischen Leseplätzen ausgestattet und nicht von ungefähr ein Flair ähnlich dem des Apple Konzerns verströmend: Klarheit gepaart mit Eleganz und unbedingter Benutzerfreundlichkeit. Der Bezirksrichter Nelson Wolff hatte die Idee zu diesem Projekt bei der Lektüre von Steve Jobs' Autobiographie bekommen. 1,5 Millionen Dollar wird die Einrichtung fürs erste kosten; 10.000 Titel sollen zu Beginn zur Verfügung stehen. Nicht nur 50 feste Computer-Leseplätze bietet die neue Bibliothek, sondern auch 100 E-Reader zum Mitnehmen und 50 E-Reader für Kinder, 25 Laptops, 25 Tablets sowie Lesebereiche und Sitzungsräume.

Ganz papierlos soll es übrigens nicht zugehen. Die Bibliotheksnutzer werden auf Wunsch (kostenpflichtig) auch Inhalte ausdrucken können.

Quellen:
www.mysanantonio.com
abcnews.go.com

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