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Die ideale Sprechsituation

4.9.2019, Tobias Weilandt, Quelle: Verlag Dashöfer GmbH
Jürgen Habermas, Soziologe und Philosoph, formulierte in den 1970er Jahren im Rahmen seiner Diskursethik die sogenannte "ideale Sprechsituation". Mit dieser definierte er Anforderungen an Diskussionen und Diskurse unabhängig von realen Machtstrukturen.

Im Auge hatte Habermas dabei, dass nur in einem machtfreien Raum ein sinnvoller Konsens gefunden werden kann, der die Überzeugungen und Meinungen aller Beteiligten gleichermaßen berücksichtigt. Die regulativen Ideen, die jeder idealen Sprechsituation zugrunde liegen, sind Wahrheit und moralische Richtigkeit. Sprich wahr (objektive Wahrheit) bzw. wahrhaftig (subjektive Wahrheit) und moralisch reflektiert! Aber das ist noch nicht alles:

Was sind die Bedingungen einer idealen Sprechsituation?

Offenheit: Alle Anwesenden dürfen Diskurse eröffnen. Ohne Zeitbegrenzung wird mittels Rede und Gegenrede eine Übereinkunft sprachlich getroffen

Transparenz: Sämtliche Teilnehmenden haben die gleichen Chancen, Interpretationen, Thesen, Empfehlungen, Begründungen und Erklärungen aufzustellen bzw. vorgebrachte Meinungen auf ihre Gültigkeit hin zu überprüfen. Strukturelle Machtgefüge (Vorgesetzte, Angestellte, Assistenz etc.) bleiben dabei notwendig unberücksichtigt. Es ist geradezu geboten, jede vorgebrachte Äußerung auf ihre Richtigkeit hin zu analysieren.

Welche Bedingungen werden an die Sprecher*innen angesetzt?

Wahrhaftigkeit: Alle Sprecher*innen haben die gleichen Chancen, gehört zu werden. Sie dürfen Einstellungen, Ideen, Gefühle, Absichten und Wünsche kundtun. Dadurch wird die Wahrhaftigkeit des Gesagten sicher gestellt.

Redlichkeit: Jede*r hat die gleiche Möglichkeit, zu befehlen, sich zu widersetzen, zu erlauben und zu verbieten. Hierdurch werden strukturelle Machtgefüge, z.B. zwischen Vorgesetzten und Mitarbeiter*innen ausgehebelt und stehen nicht zwischen Meinungen und zu erzielenden Konsens.

Soweit zum Habermasschen Sprechszenario. Und nun vergleichen Sie diese Forderungen doch einmal mit den letzten Meetings, an denen Sie teilgenommen haben. Konnten alle ihre Meinung sagen und auch begründet vertreten? Wurden Vorschläge einfach übergangen? Und wer hatte das letzte Wort?

Mag die ideale Sprechsituation eben ein Ideal darstellen, so ist die doch eine gute Schablone, um das Verhalten in Meetings zu reflektieren. Schritt-für-Schritt ist so eine Meetingkultur möglich, bei der alle produktiv, mit Freude und wertgeschätzt ihre Ideen einbringen. Und vielleicht ist der ein oder andere Mitarbeiter, der vorher schüchtern in der Ecke saß, für eine echte Überraschung gut, in einem Meeting, in dem alle gleichberechtigt sind. Probieren Sie es aus doch mal aus!



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