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Digital Rights Management und Trusted Computing in Bibliotheken bzw. Informationseinrichtungen

Garantiert 3.12.2004, Stephan Büttner, Quelle: Verlag Dashöfer GmbH

Stephan Büttner: Digital Rights Management und Trusted Computing in Bibliotheken bzw. Informationseinrichtungen (In: Erfolgreiches Management von Bibliotheken und Informationseinrichtungen, hrsg. von Prof. Dr. Konrad Umlauf • Prof. Cornelia Vonhof, Hamburg: Dashöfer 2011, Abschn. 9.4.1.6)

Bibliotheken und Informationseinrichtungen treten klassisch als Käufer, Erwerber bzw. Nutzer in der anfangs dargelegten Publikationskette auf. Mit dem einsetzenden Paradigmenwechsel durch die digitalen Medien treten sie andererseits zunehmend auch als Anbieter digitaler Inhalte auf, z.B. als Betreiber eines eVerlages, oder preprint-Servers etc. Dies impliziert eine Vielzahl rechtlicher, technischer und auch ethischer Probleme.

Rechtliche Implikationen

Stephan Büttner: Rechtliche Implikationen (In: Erfolgreiches Management von Bibliotheken und Informationseinrichtungen, hrsg. von Prof. Dr. Konrad Umlauf • Prof. Cornelia Vonhof, Hamburg: Dashöfer 2011, Abschn. 9.4.1.6.1)

Zu den rechtlichen Problemen gehören im Wesentlichen:

Urheberrecht

  • Zum 13.9.2003 ist der erste Korb der Novellierung des Urheberrechts im Rahmen der Umsetzung der EU-Richtlinie zum Urheberrecht in der Informationsgesellschaft in Kraft getreten. Z. Z. wird um den zweiten Korb gerungen, also um die Regelungen, die den Mitgliedsstaaten überlassen wurden. Dabei geht es u.a. um:

    • die öffentliche Zugänglichmachung für Unterricht und Forschung,

    • die Privatkopie,

    • die Vergütung der Urheber etc.

Für weitere Ausführungen zu diesem Aspekt sei verwiesen auf:

  • Kap. 10.1 (EU-Recht und Bibliothekswesen) sowie

  • Kap. 10.2 (Urheberrecht).

Lizenzverhandlungen

Als Erwerber von digitalen Inhalten haben Bibliotheken und Informationseinrichtungen besonders auf Verhandlung bei den Lizenzverträgen zu achten. Zwei europäische Konsortien, ECUP (European Copyright User Platform), eine gemeinsame Aktion, die durch das European Bureau of Library, Information and Documentation Associations (EBLIDA) koordiniert wird, sowie TECUP (Test bed implementation of the ECUP framework) haben dazu eine Checkliste bzw. Empfehlungen erarbeitet, die als Grundlage dienen können:

Checkliste zu Lizenzverhandlungen
(vgl. Giavarra 2001/Dreier 2003):

Unterzeichen Sie nur Lizenzen digitaler Quellen, die:

  • plattformunabhängig sind und allgemein anerkannten Standards entsprechen,

  • standardisierte Metadaten zur Beschreibung der Inhalte enthalten,

  • innerhalb geschlossener Netze (z.B. Intranet) keinen individualisierten Password-Zugang vorschreiben,

  • bei häufig benutzten Quellen als Zahlungssystem das Subskriptionsmodell anbieten,

  • verschiedene Sicherheitsstufen, entsprechend dem digitalen Inhalt, anbieten.

Unterzeichnen Sie keine Lizenz digitaler Quellen, die:

  • nicht das Rechtssystem und die Gerichtsbarkeit des Landes zugrundelegt, in dem Ihre Institution beheimatet ist,

  • nicht die Grundrechte zur Nutzung urheberrechtlich geschützten Materials anerkennt,

  • nicht dauerhaften Zugang zu den lizenzierten Materialien gewährt,

  • nicht eine Garantie der geistigen Eigentumsrechte und eine Entschädigungsklausel gegen daraus abgeleitete Forderungen enthält,

  • die Bibliothek für jegliche Art von Rechtsverletzung durch einen berechtigten Nutzer haftbar macht,

  • eine Unkündbarkeitsklausel beinhaltet,

  • eine Geheimhaltungsklausel beinhaltet,

  • Klauseln mit Formulierungen wie „angemessen“ und „nach besten Kräften“ enthält,

  • Klauseln mit mehrdeutigen Zeitangaben enthält,

  • nicht erlaubt, dass Unterverträge mit Agenten abgeschlossen werden,

  • nicht eine allumfassende Lizenzgebühr ausweist.

Technische Implikationen

Stephan Büttner: Technische Implikationen (In: Erfolgreiches Management von Bibliotheken und Informationseinrichtungen, hrsg. von Prof. Dr. Konrad Umlauf • Prof. Cornelia Vonhof, Hamburg: Dashöfer 2011, Abschn. 9.4.1.6.2)

Bei den DRM-Technologien sind für Bibliotheken und Informationseinrichtungen folgende technische Möglichkeiten von Wichtigkeit:

Aspekte Komponenten Beschreibung
Sicherheitsmanagement Zugangskontrolle Kontrolle des Zugangs und
Zugriffsbeschränkungen
Authentizität Nachweis der Identität des
Urhebers/Autors und der Echtheit des
Datenmaterials
Integrität Gewährleistung, dass keine
unautorisierten Veränderungen
vorgenommen werden
Vertraulichkeit Schutz des Zugriffs vor unberechtigten
Dritten
Vertraulichkeit kann bis zur Geheim-
haltung der Daten ausgeweitet werden
Inhalts- und
Rechtemanagement
Metadaten Identifizierung und Beschreibung der
digitalen Inhalte und
Rechteinhaber
Rechtespezifikationen
Vertragsmanagement E-Commerce-Systeme
Zahlungssysteme
Vertragsabwicklung
Bezahlung


Die Zugangskontrolle hat durch die Neuformulierung des § 52a UrhG an Bedeutung für Bibliotheken und Informationseinrichtungen zugenommen. Mit der dort verabschiedeten Regelung ist es möglich, für Forschung und Lehre „veröffentlichte kleine Teile eines Werkes, Werke geringen Umfangs sowie einzelne Beiträge aus Zeitungen oder Zeitschriften … für den bestimmt abgegrenzten Kreis“* zugänglich zu machen, z.B. in Form passwortgeschützter Dokumentenserver o.ä. Die Klausel soll allerdings in 2006 auslaufen. Dies hätte gravierende Nachteile für den Zugang zum Wissen und damit für Forschung und Lehre.

Bei der Beschreibung der Inhalte, also der inhaltlichen Erschließung und der Rechtespezifikation greifen traditionelle Instrumentarien nur bedingt. Gefordert ist eine Erschließung über Metadaten, die sowohl von den Suchmaschinen als auch vom Menschen interpretiert werden können. Dies kann entweder durch den Autor oder die Bibliotheken und Informationseinrichtungen erfolgen. Bei der Strukturierung durch HTML-Tags bzw. XML-Tags und einer diesen XML-Tags zugeordneten Document Typ Definition (DTD) fällt die inhaltliche Erschließung und die Rechtespezifikation beim Erstellen des Dokuments durch den Autor automatisch mit an. Diese Eigenschaft ist für die Praxis in Bibliotheken und Informationseinrichtungen von enormer Bedeutung.

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