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Lizenz- und Konsortialverträge: Prinzipielles

Garantiert 17.4.2015, Alice Keller, Quelle: Verlag Dashöfer GmbH

Alice Keller: Lizenz- und Konsortialverträge: Prinzipielles (In: Erfolgreiches Management von Bibliotheken und Informationseinrichtungen, hrsg. von Prof. Dr. Konrad Umlauf • Prof. Cornelia Vonhof, Hamburg: Dashöfer 2015, Abschn. 10.4.1)

Was ist ein Lizenzvertrag?

Alice Keller: Was ist ein Lizenzvertrag? (In: Erfolgreiches Management von Bibliotheken und Informationseinrichtungen, hrsg. von Prof. Dr. Konrad Umlauf • Prof. Cornelia Vonhof, Hamburg: Dashöfer 2015, Abschn. 10.4.1.1)

Die in Bibliotheken bisher gebräuchliche Form des Erwerbs von Medien mittels Kaufverträgen findet im Bereich der Online-Veröffentlichungen nur noch selten statt. Wesentlich häufiger ist der Abschluss eines Lizenzvertrages, der der Bibliothek nicht die Eigentumsrechte, sondern nur befristete oder unbefristete Nutzungsrechte an elektronischen Medien überträgt. Diese Nutzungsrechte werden in Lizenzverträgen geregelt und festgehalten. Der Lizenzvertrag kann je nach Verlag oder Anbieter sehr unterschiedlich gestaltet sein. Es gibt zwar gute Vorlagen, aber keine international normierten Lizenzverträge: das heißt, ein Lizenzvertrag kann und muss immer verhandelt werden. Der Abschluss dieses Vertrages kann entsprechend sehr aufwendig sein und bisweilen sind längere Verhandlungen zwischen Bibliotheken, Verlagen oder Anbietern notwendig.

Diese oben genannten Regeln gelten für alle kostenpflichtigen elektronischen Medien in Bibliotheken: also Datenbanken, elektronische Zeitschriften und E-Books. In wissenschaftlichen Bibliotheken werden diese Medien idealerweise über Campuslizenzen einem möglichst großen Benutzerkreis zur Verfügung gestellt. In öffentlichen Bibliotheken ist die Definition des zugelassenen Benutzerkreises immer viel schwieriger, sobald es um die Online-Nutzung außerhalb der Bibliothek geht.

Nebst den Online-Produkten gibt es natürlich auch digitale Medien auf Datenträgern wie CD, DVD oder CD-ROM. Diese werden in der Regel käuflich erworben, aber zusätzlich wird die Bibliothek oder der Benutzer aufgefordert, einem Endnutzer Lizenzvertrag (EULA, End User License Agreement) zuzustimmen. Oft funktioniert dies über eine sogenannte „click-through-license“, die der Nutzer mit „I agree“ bestätigen muss. Dieses Beispiel zeigt, dass Kauf und Lizenzvertrag sich nicht gegenseitig ausschließen müssen.

In der Bibliothek spricht man auch oft von „Kauf“, wenn es um Produkte geht, die man mit einer Einmalzahlung erwirbt. Das können beispielsweise große Datenarchive oder abgeschlossene E-Book-Pakete sein. Bei solchen „one-off purchases“ suggeriert der Begriff Kauf keineswegs, dass für die Nutzung des Produktes kein Lizenzvertrag abgeschlossen wurde, er bedeutet vielmehr, dass es sich um eine unbefristete Lizenz, ohne Folgezahlungen, handelt. Den Begriff „lizenzieren“ nutzt man hingegen gewöhnlich für Produkte, die über eine jährliche Lizenz- oder Abonnementsgebühr bezahlt werden, also für elektronische Zeitschriften oder Datenbanken.

Was ist ein Konsortialvertrag?

Alice Keller: Was ist ein Konsortialvertrag? (In: Erfolgreiches Management von Bibliotheken und Informationseinrichtungen, hrsg. von Prof. Dr. Konrad Umlauf • Prof. Cornelia Vonhof, Hamburg: Dashöfer 2015, Abschn. 10.4.1.2)

Der Konsortialvertrag ist eine besondere Form eines Lizenzvertrages, bei dem sich mehrere Bibliotheken zur gemeinsamen Durchführung eines Lizenzgeschäftes vereinigen. Viele Verleger begrüßen die Initiativen von Bibliotheken, sich zusammenzufinden und gemeinsam Konsortialverträge abzuschließen. Auf Seiten der Bibliotheken können Konsortialverträge nicht nur zur leichteren Aufbringung der benötigten Finanzmittel dienen, sondern auch zur optimalen Ausnutzung der an den Einrichtungen zur Verfügung stehenden Ressourcen beitragen.

Abschnitt 10.4.4 gibt einen Überblick über bestehende Konsortien in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Neben diesen großen Konsortien ist es jeder Bibliothek auch überlassen, sich mit einer fachlich verwandten Einrichtung zu einem Minikonsortium zusammenzuschließen und gemeinsam ein Produkt zu lizenzieren. Statt dass beide Einrichtungen den vollen Preis bezahlen, kann man versuchen, auf diese Weise einen Discountpreis zu erwirken. Scheuen Sie sich also nicht, gemeinsam aufzutreten und beim Verlag ein Angebot für ein Minikonsortium anzufordern. Sie werden sehen, es ist gar nicht so schwierig!

Eine Sonderform der Konsortialverträge sind National- und Allianzlizenzen.*

Nationallizenzen sind flächendeckende Verträge, die entweder alle Hochschulangehörigen eines Landes abdecken oder aber auch den Zugang für Nicht-Hochschulangehörige (also die interessierte Öffentlichkeit) zulassen. In Deutschland genießen die Nationallizenzen der DFG hohe Akzeptanz. Hierbei handelt es sich um die Lizenzierung von abgeschlossenen Datensammlungen, die durch Einmalzahlung für den dauerhaften Zugang erworben wurden und allen öffentlich finanzierten akademischen Einrichtungen und teilweise interessierten Privatpersonen kostenfrei zur Verfügung stehen. Die Verhandlungen gingen über eine Reihe von Bibliotheken und Informationseinrichtungen, die über Erfahrung mit großvolumigen Lizenzierungen verfügten.

Bei den Allianzlizenzen in Deutschland handelt es sich nicht um eine flächendeckende Versorgung, sondern um ein Beteiligungs- oder „Opt-in“-Modell für Hochschulen. Im Rahmen dieser Allianzlizenzen werden vor allem laufende Zeitschriftenjahrgänge angeboten, während dem sich digitale Zeitschriftenarchive als abgeschlossene Datenpakete als Kandidaten für Nationallizenzen eignen. Im Rahmen dieser Allianzlizenzen ist es auch gelungen, sehr vorteilhafte Nutzungsbedingungen auszuhandeln.

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