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Management von Bibliotheksfusionen: Ein Überblick

Garantiert 9.9.2009, Jens Neumann, Quelle: Verlag Dashöfer GmbH

Jens Neumann: Management von Bibliotheksfusionen: Ein Überblick (In: Erfolgreiches Management von Bibliotheken und Informationseinrichtungen, hrsg. von Prof. Dr. Konrad Umlauf • Prof. Cornelia Vonhof, Hamburg: Dashöfer 2011, Abschn. 3.9.5.1)

Bibliotheksfusionen sind neben der Auflösung und der Neugründung von Bibliotheken einer der umfassendsten Prozesse, dem ein System Bibliothek unterworfen werden kann. Zweifelsohne sind Merger, wie Fusionen in der Privatwirtschaft genannt werden, dort ein prominentes Thema und für diesen Betriebstyp vielfach untersucht (Jansen, 2008). Anleihen sind hier also möglich, müssen aber stark für die Betriebsform Bibliothek adaptiert werden. Für den gesamten öffentlichen Bereich (Huber, Jansen, Plamer 2004) hat sich hier der Begriff des Public Merger etabliert. Innerhalb dieses Bereiches wird dann noch weiter differenziert in Bereiche mit kommerzieller Ausrichtung (z.B. Stadtwerke, öffentliche Eigenbetriebe) und in den Kulturbereich (Föhl, 2004). Innerhalb des Kulturbereiches werden die Bibliotheksfusionen angesiedelt. (Föhl, 2004; Weibel 2007), die Fusion von Teilbibliotheken innerhalb eines Bibliothekssystems stellt hier noch einen Spezialfall dar. (Barth, 1997; Bauer, 2004)

Die Adaptionsnotwendigkeit der Überlegungen für privatwirtschaftliche Unternehmen oder kommerziell ausgerichtete öffentliche Unternehmen ergibt sich aus den abgrenzenden Spezifika von Bibliotheken: Nutzer- und situationsbezogene Dienstleistung, weit reichende Zugänglichkeit, Non-Profit-Orientierung, (fast) vollständige Abhängigkeit von den Unterhaltsträgern, häufig Subsystemcharakter -meist innerhalb einer anderen öffentlichen Einrichtung wie etwa einer Hochschule, dort aber dann mit monopolartiger Stellung. Öffentliche Bibliotheken stehen dabei stärker in Konkurrenz zu anderen Freizeit- und Bildungsangeboten. Die Grenzstellung von Bibliotheken zwischen Kultur- und Bildungsbereich führt zu einem stärkeren Verpflichtungscharakter zumindest bei wissenschaftlichen Nutzern.

Zusammenarbeit und Kooperation sind für Bibliotheken nichts Unbekanntes, Vernetzung schon lange ein Merkmal des Bibliothekssystems, die Dienstleistungen aus diesen Vernetzungen sind für die Nutzer zur Selbstverständlichkeit geworden.

Fusionen sollen hier in Abgrenzung von Veränderungen im Alltagsgeschäft als einmalige, projektartige Prozesse, die in ihrem Ergebnis eine dauerhafte, in der Regel irreversible Höchststufe der institutionalisierten Kooperation etablieren, verstanden werden. Es ist anzunehmen, dass sie absichtlich durchgeführt werden und interessegeleitet sind.

Fusionen lassen sich also nach zwei Grunddimensionen betrachten, einmal als Prozesse und einmal als Ergebnis von Prozessen; hierbei stehen die neu entstandenen Strukturen im Vordergrund. Von Fusionen können alle Aspekte des Bibliotheksbetriebs betroffen sein.

Stakeholder/Bezugsgruppen

Im Rahmen der Betrachtung von Fusionsprozessen spielen die Stakeholder, also alle Personen und Institutionen mit Eigeninteressen an einer Bibliothek bzw. den Fusionspartnern eine entscheidende Rolle, schließlich sind Menschen letztlich immer die Handlungsträger. Als Stakeholder, also Anspruchsgruppen, sind im Kern die Unterhaltsträger, die Kunden bzw. Nutzer und die Bibliothekare – und auch andere nicht-bibliothekarische Mitarbeiter – zu sehen, wobei sich diese wiederum in verschiedene Untergruppen je nach Aufgabe und Entscheidungszuständigkeit unterteilen lassen und diese Untergruppen auch gegenläufige Interessen haben können bzw. aus taktischen Gründen versteckte Ziele, eine „hidden agenda“, vertreten (Bsp: Loff 2003, 55). Für Öffentliche Bibliotheken sind Kunden alle interessierten Einwohner einer Stadt oder Region. Die Differenzierung erfolgt hier eher nach Alter, also nach erwachsenen Nutzern bzw. Kinder und Jugendlichen. Für wissenschaftliche Bibliotheken können alle Angehörigen der jeweiligen Hochschule als Stakeholder gelten, wobei hier aufgrund ihrer unterschiedlichen Anzahl in Lehrende und Studierende der unterschiedlichen Stufen unterschieden werden kann. Auch andere zentrale Einrichtungen die mit der Bibliothek kooperieren wie etwa Rechenzentren können Interessen an der Entwicklung der Bibliothek(en) haben.

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