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Management von Bibliotheksfusionen: Ziele und Motive

Garantiert 9.9.2009, Jens Neumann, Quelle: Verlag Dashöfer GmbH

Jens Neumann: Management von Bibliotheksfusionen: Ziele und Motive (In: Erfolgreiches Management von Bibliotheken und Informationseinrichtungen, hrsg. von Prof. Dr. Hans-Christoph Hobohm • Prof. Dr. Konrad Umlauf, Hamburg: Dashöfer 2011, Abschn. 3.9.5.2)

Der Anstoß einer Fusion hängt von den in den Zielen der Stakeholder manifestierten Interessen und von deren Bewertung der Chancen und Risiken ab (Weibel, 2007, S. 19 ff.). Risiken liegen in den Phasen der Planung, Durchführung der Fusion und des Alltagslebens im Fusionsergebnis; sie können durch fehlendes Wissen über die beteiligten Partner, deren Kultur und Ziele, durch unrealistische Ziele, kurzfristige Zieländerungen, mangelnde Akzeptanz bei Mitarbeitern, fehlerhafte Durchführung der Prozessschritte und fehlende Prozessressourcen für die Mehrarbeit in der Fusionsphase ausgelöst werden.

Die Chancen von Fusionen liegen darin, dass Institutionen dauerhaft erhalten werden können, neue Finanzierungsquellen bekommen, neue Produkte angeboten werden können, allgemeine Innovationen und Weiterentwicklungen im Rahmen der Fusion gleich mit umgesetzt werden können, eine Steigerung von Fachkompetenz durch mehr Mitarbeiter entsteht, bestehende Strukturen und Angebote gesichert werden und Einkaufsbedingungen optimiert und eine Stärkung der eigenen Marke stattfinden kann. Auf kultureller Ebene kann durch eine Fusion als einer Form der Erneuerung eine Wertschätzungsbotschaft an die Mitarbeiter z.B. durch Verbesserung der Arbeitsbedingungen, gesandt werden und als Sekundäreffekt eine Motivationssteigerung nach sich ziehen.

Für Bibliotheken bietet sich daher die Chance, Bestände, Filialen, ganze Bibliothekssysteme zu erhalten, neue oder teurere Medien bzw. Lizenzen zu erwerben, Spezialkenntnisse und Erfahrungen von Mitarbeitern für die neue Gesamtorganisation nutzbar zu machen. Sofern die Erschließung und Bereitstellung noch nicht elektronisch bzw. in verschiedenen kleinen Systemen erfolgt, kann der Übertrag in eine neue leistungsfähige Bibliothekssoftware für alle Beteiligten weit reichende Vorteile haben. Insgesamt besteht im Rahmen einer Fusion immer die Chance grundsätzliche Innovationen, Restrukturierungen, Verbesserungen vorzunehmen, allerdings sind Bibliotheken nicht auf Fusionen angewiesen, um dies zu tun. In der Regel besteht erst Innovationsbedarf und dann ergibt sich eine Fusion als geeignete Maßnahme, um diesen Bedarf zu decken. Dem Innovationsbedarf kommt daher eine wichtige Rolle in der Ressourcenanforderung beim Unterhaltsträger zu.

Aufgrund der Monopolstellung und der Werteorientierung ergibt sich für die Entscheidungsträger jedoch häufig die Zwangslage, dass das Scheitern einer Fusion systemisch nicht zulässig ist, eine Universität oder Kommune ohne Bibliothek ist zum jetzigen Zeitpunkt und unter den gegebenen gesamtgesellschaftlichen Bedingungen nicht denkbar, zumindest für Universitäten ist eine irgendwie vorhandene Medien- und Informationsversorgung „systemrelevant“. Hier unterscheidet sich der öffentliche Sektor stark von der Privatwirtschaft, die geradezu darauf angewiesen ist, dass unrentable Unternehmen bzw. Unternehmenszweige ihren Betrieb einstellen und dementsprechend gescheiterte Fusionen auch wieder gelöst werden.

Als Motive für Fusionen im privatwirtschaftlichen Sektor (Weibel 2007, S. 10) werden in der Regel verschiedene Synergieeffekte ausgemacht, bei denen es letztlich immer um Kostenreduzierung geht, jedoch kann auch die Qualitätserhöhung bei gleich bleibenden Kosten eine Synergie darstellen, da die höherer Qualität einen höheren Gewinn verspricht. Auch die meisten öffentlichen Fusionen sind letztlich durch eine Einsparlogik geprägt. (Jansen, 2004, S. 31 f.)

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