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Nutzerorientierte Informationsdienste: Arten von Informationsdiensten

Garantiert 11.11.2002, Hans-Christoph Hobohm, Quelle: Verlag Dashöfer GmbH

Hans-Christoph Hobohm: Nutzerorientierte Informationsdienste: Arten von Informationsdiensten (In: Erfolgreiches Management von Bibliotheken und Informationseinrichtungen, hrsg. von Prof. Dr. Konrad Umlauf • Prof. Cornelia Vonhof, Hamburg: Dashöfer 2011, Abschn. 8.2.1.1)

Man kann unterscheiden zwischen Informationsdiensten und Beratungsdiensten. Brunhilde Lewe (1999, S. 12) definiert beide wie folgt (gekürzt):

Informationsdienst(Synonym: Auskunftsdienst) ist eine planmäßig konzipierte und organisierte bibliothekarische Dienstleistung. Sie hat in Öffentlichen Bibliotheken das Ziel, den Informationsbedarf vorrangig der Bevölkerung des jeweiligen Einzugsgebietes zu decken. Dabei erschöpft sich die Dienstleistung nicht im bloßen Bereitstellen von Medien, sondern umfasst hauptsächlich die Hilfestellung bei der Informationsbeschaffung und/oder die Vermittlung von Informationen für einzelne Benutzer und Benutzergruppen. Es handelt sich um eine unverzichtbare Aufgabe, deren Inhalt und Umfang durch die Funktionen und Ressourcen der einzelnen Bibliothek bestimmt wird.
Beratungsdienstist eine planmäßig konzipierte Dienstleistung für Benutzer oder Benutzergruppen, die für ihre Auswahl von Literatur und Medien Empfehlungen (auch wertender Art) wünschen. In Öffentlichen Bibliotheken zählt der Beratungsdienst zu den Hauptaufgaben und wird in Umfang, Art und Formen vor allem durch die personellen Kapazitäten der einzelnen Bibliothek bestimmt.

Auch wenn man beide Arten von Informationsdienstleistungen definitorisch voneinander trennen kann, gehen sie in der Praxis doch ineinander über. Ausgehend vom reinen Bestandsangebot der klassischen Bibliothek bilden sie die Endpunkte eines Kontinuums, welches in den Bereich der Angebote von Bildungsdienstleistungen hineinreicht (vgl. Kap. 8.3). Wenn die Bibliothek oder Informationseinrichtung dem Kunden schließlich so viel Informationskompetenz vermittelt hat (zum Beispiel in Form von Schulungen und Beratungen), wäre theoretisch vorstellbar, dass sie sich als digitale oder virtuelle Bibliothek wieder ausschließlich der Bestandarbeit würde widmen können (vgl. Schaubild 1). Dabei ergibt sich in letzter Zeit durch Budgetbegrenzung und stetigem Anwachsen der Informationsressourcen eine Verschiebung der Wertigkeit des Bestandsaufbaus weg vom physischen Vorhalten der Ressourcen hin zur Gewährleistung des Zugriffs auf Informationen, die nicht unbedingt vor Ort gehalten werden: vom „ownership“ zum „access“ – von der Hol- Bibliothek zur Bring-Bibliothek. Dadurch wächst die Bedeutung von Informationsdienst und Beratung unter neuen Gesichtspunkten.

Schaubild 1: Informationsdienstleistung zwischen Bestandsarbeit und Schulung

Vor allem in Spezialbibliotheken und Informationseinrichtungen privater Trägerschaft jedoch steht der Aspekt der Beratung und Informationsbewertung im Vordergrund. Ralph Schmidt (1997, S. 438) spricht bei Letzterem deshalb von den eigentlichen Informationsdienstleistungen allgemein und definiert diese aus eher „dokumentarischer“ Sicht etwas „pro-aktiver“:

Informationsdienstleistungen„alle Betätigungen, die von geschulten Informationsspezialisten gezielt und im gegenseitigen Kontakt mit individuellen Nachfragern und in deren Auftrag für die Befriedigung aktueller und latenter Informationsbedürfnisse und zur Lösung konkreter Informationsprobleme unter Ausnutzung aller verfügbaren Ressourcen des Informationsmarktes angeboten und ausgeführt werden“.

Er unterscheidet hier vom breiten Verständnis der Informationsdienstleistungen den engeren Begriff der Informationsvermittlung, der eher der bibliothekarischen Informationsdienstleistung (syn. Auskunftsdienst) entspricht (vgl. Kapitel 8.2.2).

Informationsvermittlung„umfasst die i.d.R. professionelle Tätigkeit der Recherche, Selektion, Beschaffung, Bewertung, Aufbereitung und Weitergabe von Daten, Texten, Materialien und Medien zur Deckung von Informationsbedürfnissen Dritter.“

Wesentlich ist beiden Definitionen von Informations- und Beratungsdienstleistungen, dass sie sich am Nutzerbedarf orientieren und nach spezifischen Informationsbedürfnissen fragen. Während jedoch die bibliothekarische Definition die Informationsdienstleistungen von vornherein auf die Ressourcen der einzelnen Bibliothek beschränkt, bezieht sich die dokumentarische (Schmidt) auf den gesamten Informationsmarkt und fragt auch nach „latenten Informationsbedürfnissen“. Es geht hier mehr um „Wissenstransfer“ als um „Informationsbereitstellung“.

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