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Produktpolitik, Informationsdienstleistungen: Management von Bildungsdienstleistungen - Open Science

Garantiert 14.9.2021, Ladina Tschander, Quelle: Verlag Dashöfer GmbH

Ladina Tschander: Open Science (In: Erfolgreiches Management von Bibliotheken und Informationseinrichtungen, hrsg. von Prof. Dr. Konrad Umlauf • Prof. Cornelia Vonhof, Hamburg: Dashöfer 2015, Abschn. 8.3.3)

Open Science treibt in den letzten Jahren die Hochschulbibliotheken an, sich neu auszurichten, das Berufsbild zu überdenken und Personal mit mehr IT-Kompetenzen einzustellen. Nach Gerdes* umfasst Open Science fünf zentrale Apsekte, zu welchen die Bibliotheken in unterschiedlicher Intensität etwas beitragen können. Neben Open Educational Resources bilden Open Access und Open Data den eigentlichen Kern von Open Science, mit welchem Open Metrics und Open Peer Review eng verbunden sind.

Abb. 8 Elemente von Open Science nach Gerdes (2018)

Zentral für die Messung des wissenschaftlichen Outputs sind Kennzahlen, die mit bibliometrischen Verfahren gewonnen werden. In offenen Metriken sollten die Auswahlkriterien der Datenquellen offengelegt werden sowie die Berechnungsformel und verwendete Software. Als Beispiel wird mancherorts Altmetrics angegeben. Dies sind Verfahren, die die Rezeption wissenschaftlicher Publikation in den sozialen Medien messen. Aber in den altmetrischen Verfahren ist die Auswahl und Gewichtung der Daten nicht immer nachvollziehbar, weshalb sie mehr als Ergänzung zu den bestehenden Metriken zu werten sind.

Mit Open Peer Review wird angestrebt, die Qualitätssicherung für wissenschaftliche Publikationen transparenter zu gestalten. Die Begutachtung von wissenschaftlichen Texten durch Fachkollegen und -kolleginnen hat eine lange Tradition. Ulrich Herb* zeigt auf, dass es verschiedene Gestaltungsmöglichkeiten bei den Gutachten gibt. Diese können zugänglich gemacht werden, wodurch eine offene Interaktion zwischen Autoren und Gutachterinnen zustande kommen kann. Nach der Veröffentlichung können auch die Rezipienten kommentieren und so den Diskurs weitertreiben.

Im Zentrum bei Citizen Science steht weniger die Interaktion zwischen den Forschenden oder das Offenlegen von Daten, sondern die Frage, wie die Öffentlichkeit aktiver in die Wissenschaft einbezogen werden kann. War im 18. Jahrhundert das Sammeln von Daten (insbesondere im Bereich Ornithologie und Astronomie) durch Nicht-Wissenschaftler verbreitet, wurde die Öffentlichkeit im 19. Jahrhundert immer mehr von der Wissenschaft ausgeschlossen.* Die aktuellen Citizen-Science-Projekte nutzen das Potenzial der Laien-Forschenden, um Daten sammeln und klassifizieren zu lassen. Aus der Interaktion zwischen Bürger und Bürgerinnen und den Wissenschaftlern können neue Fragestellungen entstehen. Insgesamt wird mit dem Einbezug die Legitimität von Wissenschaft in der Öffentlichkeit erhöht.*

Im Nukleus von Open Science steht Open Access und vor allem Open Data. In Forschungs- und Citizen-Science-Projekten werden Daten erhoben, die interpretiert, analysiert oder in anderer Art und Weise bearbeitet werden. Sie bilden die Grundlage der Forschung. Mit der Forderung nach mehr Transparenz der Wissenschaften rückten die Forschungsdaten in den Fokus.

Von zentraler Bedeutung für die Wissensvermittlung, auch bei der digitalen Vermittlung von Wissen, sind alle Medien, die die Bibliothek zur Verfügung stellt. Traditionellerweise sind dies Publikationen in gedruckter oder elektronischer Form. In jüngerer Zeit werden diese ergänzt durch Lernplattformen, Repositories, Lehrressourcen, die frei verfügbar sind, E-Learning-Kurse, Tutorials u. v. m.

Es hört sich ganz selbstverständlich an, dass die Teaching Library gedruckte Lehrbücher, lizenzierte Online-Kurse, Übungshefte und Online-Trainings-Programme etc. zur Verfügung stellt. Aber mit der Digitalisierung kommen weitere Inhalte dazu.

Viele Lerner und Forschende brauchen im Kontext anspruchsvoller Lern- und Wissensgenerierungsprozesse Primärdaten (und nicht nur Lehrbücher, Forschungsliteratur oder Fachaufsätze), beispielsweise Gesetze und Verordnungen oder Karten und Pläne oder Fakten über Werkstoffeigenschaften oder historische Quellen aus Archiven. Es kommt also darauf an, diese Primärdaten ebenso zur Verfügung zu stellen wie Lernmaterialien im klassischen Sinn. Mit dem Medienwandel passen sich Bibliotheken durch die Entwicklung neuer Dienstleistungen und Services den sich ändernden Anforderungen an und übernehmen neue Funktionen.

Seit mehreren Jahrzehnten ist das wissenschaftliche Publizieren in Bewegung, da mit dem Internet neue Publikationswege entstanden sind, die die konventionellen Rollenteilungen im Wissenschaftsbetrieb aufbrechen und in Frage stellen.* Die Wissenschaftskommunikation ist durch Open Access komplexer und Open Science diverser geworden, weshalb Beratungsdienste zum Publizieren an Universitäten, Forschungseinrichtungen oder Hochschulen benötigt werden.

Open Educational Resources

Ladina Tschander: Open Educational Resources (In: Erfolgreiches Management von Bibliotheken und Informationseinrichtungen, hrsg. von Prof. Dr. Konrad Umlauf • Prof. Cornelia Vonhof, Hamburg: Dashöfer 2015, Abschn. 8.3.3.1)

Als Open Educational Resources (OER) werden freie Lehr- und Lernmaterialien jeglicher Art und in jedem Medium bezeichnet, die unter einer offenen Lizenz, z. B. den Creative Commons, veröffentlicht werden. OER können einzelne Materialien, aber auch komplette Kurse oder Bücher umfassen. Jedes Medium kann verwendet werden: Lehrpläne, Kursmaterialien, Lehrbücher, Streaming-Videos, Multimedia-Anwendungen, Podcasts – all diese Ressourcen sind OER, wenn sie unter einer offenen Lizenz veröffentlicht werden. Offene Lizenzen ermöglichen es, dass Interessierte jederzeit für die eigene Nutzung, Bearbeitung oder Weiterverbreitung auf OER zugreifen und diese bearbeiten können. Im weiteren Sinne sind OER also Bildungsinhalte, die offen in einem doppelten Sinn sind: Sie sind frei zugänglich und dürfen frei verwendet werden.

Mit ihrer Veränderbarkeit und Anpassbarkeit sind OER geeignet, das Lernmedium für das 21. Jahrhundert zu werden. Wissen verändert sich rasant. OER können dies abbilden, weil sie laufend aktualisierbar sind und somit neue Erkenntnisse und Entwicklungen sehr schnell in die Lehr- und Lernmaterialien einfließen lassen. Offene Informationen helfen im Alltag, Wissen zu überprüfen und neues Wissen zu erschließen.

OER hatten ihren Durchbruch in Deutschland im Jahr 2012. Von da an tragen unterschiedliche Akteure und Initiativen das Thema in die breitere Öffentlichkeit. Unterschiedliche Fördermaßnahmen zielen darauf ab, OER und die mit ihnen verbundenen Potenziale sichtbarer zu machen. Kompetenzen zur Nutzung, Erstellung und Verbreitung von OER sollen unterstützt und damit eine breite Verankerung von OER in Deutschland erreicht werden.*

Überblick über die Hauptkomponenten, die die OER-Entwicklung in Deutschland beeinflussen (aus Orr, Dominic, Jan Neumann, und Jöran Muuß-Merholz. OER in Deutschland: Praxis und Politik. Bonn: Deutsche UNESCO-Kommission e. V. (DUK), 2018: 9)

Bibliotheken haben sich zwar in den letzten Jahren als wichtige Befürworter von OER hervorgetan und die Bottom-up-Verbreitung vorangetrieben. Dennoch ist die Ausweitung von OER noch ausbaufähig. Noch sind die offenen Ressourcen zu wenig in den Bibliotheken integriert. Ziel sollte sein, durch den Aufbau von Repositorien für OER die Lücke zwischen den historischen Bibliothekskurationspraktiken und dem potentiellen Nutzen der Technologien des 21. Jahrhunderts zu überbrücken.

OER in Bibliotheken

Ladina Tschander: OER in Bibliotheken (In: Erfolgreiches Management von Bibliotheken und Informationseinrichtungen, hrsg. von Prof. Dr. Konrad Umlauf • Prof. Cornelia Vonhof, Hamburg: Dashöfer 2015, Abschn. 8.3.3.1.1)

Um eine grössere Aufmerksamkeit für OER evozieren zu können, müssen Bibliotheken als Partner und Unterstützer von Bildungseinrichtungen frei lizenzierte Lehr- und Lernmaterialien noch stärker in den Fokus rücken, da das Bewusstsein um der Bedeutung von OER für eine inklusive Bildungs- und Wissenschaftsgesellschaft noch unterentwickelt ist. Bibliotheken sollten daher eine Scharnierfunktion zwischen Nutzern und Anbietern offener Bildungsressourcen einnehmen.

Bibliotheken können als Vermittler zwischen Studierenden und Lehrenden sowie zwischen Produzenten und Nutzern von OER fungieren. Voraussetzung dafür ist, dass Bibliotheken sich ihrem Selbstverständnis nach als Orte des Lebenslangen Lernens betrachten. Es gilt, Bibliotheken als Informationszentren zu positionieren und in dieser Funktion Ressourcen-Center für digitale Medien und kompetente Dienstleister zu sein, die unparteiische und professionelle Beratung in allen Fragen zu digitalen Informationsressourcen bieten.

OER können als ein Katalysator für den institutionellen digita- len Wandel in Bibliotheken wirken, da mit OER

  • ein Wandel zu mehr digitalen Materialien vollzogen werden kann,

  • vernetztes, kollaboratives und partizipatives Arbeiten eingeübt wird,

  • die Kompetenzen im Hinblick auf den Umgang mit digitalen Materialien gestärkt werden,

  • Literacy-Kompetenzen gestärkt werden, indem Nutzer sich in Review-Prozessen mit OER auseinandersetzen.

Bibliotheken können ihre vorhandenen Kompetenzen in verschiedene Kontexte mit OER einbringen, insbesondere in den Bereichen Produktion und Distribution von OER sowie Schulungen und Trainings zu Themen rund um freie Bildungsmaterialien. Im Rahmen der Aufgaben von Bibliotheken in Bezug auf die Vermittlung von Medien- und Informationskompetenz fallen darunter auch die Vermittlung informationstechnischer Kompetenzen, einschließlich des sicheren Umgangs mit mobilen Geräten, der Einsatz sozialer Medien und das Publizieren, auch kollaborativ in Gruppen.

Was Bibliotheken tun können, um sich bei OER zu engagieren, umfasst mindestens:

  • Bereitstellen von OER:

    Kuratieren (solange OER und OA noch nicht in den Workflow des Bestandsaufbaus integriert sind, werden das Auffinden und der Zugang zu Materialien im Bestand einer Bibliothek separat und nicht parallel zueinander verlaufen),

    Zugänglichmachen von OER (im eigenen Bestand und extern gesammelte OER zugänglich machen),

    Beschreiben und Klassifizieren von Inhalten (Metadatenstandards, Vokabularien, Indexierung, Klassifikation, Information Retrieval, Information Literacy, Management von Repositorien),

    Management und Archivierung von Inhalten.

  • Herstellen/Produzieren von OER:

    Beratung,

    technische Unterstützung,

  • Schulung und Trainings zu OER:

    zum Umgang mit OER,

    zu Lizenzen und urheberrechtlichen Fragen,

    bezüglich der Recherche nach OER,

    im Hinblick auf technische Fertigkeiten,

  • Verbreitung von OER (OER-Marketing):

    Bewusstsein für OER bilden und für offene Materialien sensibilisieren (nur wer OER kennt, kann OER suchen, finden und selbst herstellen),

    Kooperationen mit Akteuren und mit Bildungsanbietern im Umfeld der Bibliothek

Wenn auch vielleicht selbst keine OER produziert werden, so dienen Bibliotheken doch als Anlaufstelle bzw. als Orte der Information und der Erstellung freier Bildungsmaterialien. Hier findet ein Wissenstransfer und Austausch von Know-how statt und qualifiziertes Personal berät zu Sicherheit im Umgang mit freien Lizenzen.

Konkret bedeutet dies für Bibliotheken, OER als vollwertiges Medium und Teil des Bestandes anzuerkennen und zu integrieren, eine Strategie für die eigene Einrichtung im Umgang mit offenen Ressourcen zu entwickeln sowie Menschen bei der Erstellung und Nachnutzung freier Bildungsmedien gezielt zu beraten und nach Maßgabe der vorhandenen Möglichkeiten zu unterstützen.

Bibliotheken haben – selbst wenn nur begrenzte Mittel und Kapazitäten zur Verfügung stehen – die Möglichkeit, einen Einstieg in das Thema freie Bildungsmedien zu finden und sich als Zentrum für Fragen zu OER am Ort zu etablieren. Sie können mit entsprechenden Angeboten auf die sehr dynamische Entwicklung auf dem Gebiet reagieren und Ansprechpartner für Belange rund um Nutzung, Bearbeitung und Verwaltung offener Bildungsressourcen sein. Das Engagement für OER rückt die Bibliothek als Ort der digitalen (Weiter-)Bildung neu ins Blickfeld von Politik, eigene Bildungspartnern und Öffentlichkeit. Nicht zuletzt bietet sich für Bibliotheken mit der Veröffentlichung eigener Materialien als OER auch die Möglichkeit, die eigene Expertise sichtbar zu machen.

Management von OER

Ladina Tschander: Management von OER (In: Erfolgreiches Management von Bibliotheken und Informationseinrichtungen, hrsg. von Prof. Dr. Konrad Umlauf • Prof. Cornelia Vonhof, Hamburg: Dashöfer 2015, Abschn. 8.3.3.1.2)

Die Besonderheit beim Management von OER im Vergleich zu traditionellen Formaten liegt darin, dass es sich bei freien Materialien um dynamische, veränderbare Formate handelt. Mit dem Aufkommen der Open-Access-Bewegung wurde bereits ein Paradigmenwechsel eingeleitet. Die Digitalisierung von Beständen und ihre Bereitstellung zur Nutzung – häufig unter einer Creative Commons-Lizenz – entwickelte Bibliotheken von reinen Bereitstellern zu Produzenten von Information. Auch der Vertrieb und das Marketing der Dienstleistungen rund um offene Materialien kamen damit als Aufgabe für Bibliotheken hinzu. Der Pool geteilter Wissensressourcen wächst kontinuierlich und ist ohne ein professionelles Wissensmanagement kaum nutzbar. Wissenschaftliche Bibliotheken, die sich in diesem Sinn für die Hochschule als OER-Wissensmanager und Öffentliche Bibliotheken, die sich im Sinne der Lernenden und Lehrenden in ihrer Community als OER-Fachexperten positionieren, könnten eine herausragende Funktion übernehmen.

Es gibt eine Reihe erforderlicher Kompetenzen für den Umgang mit OER in der Bibliothek, die zum großen Teil auch bereits im Umgang mit traditionellen Medienformaten unerlässlich sind:

  • administrative Fähigkeiten,

  • Führungs- und Planungsfähigkeit,

  • Integration der Informationskompetenz Fähigkeiten zur Integration der Informationskompetenz,

  • kommunikative Fähigkeiten,

  • fachwissenschaftliche Expertise und berufsfachliche Kompetenzen: Entwicklung und Nutzung von Such- und Discovery-Systemen,

  • (Forschungs-)Datenhaltung,

  • Entwicklung und Administration institutioneller Repositorien,

  • Gewährleistung von Langzeitverfügbarkeit,

  • Kenntnisse des Urheberrechts,

  • Kenntnisse zu Metadaten und Indexierung.

Wird in Bibliotheken über freie Bildungsmedien reflektiert, werden OER eher objekt- bzw. dokumentenorientiert gesehen. Allerdings bedeutet der Umgang mit OER sehr viel mehr einen sozialen denn einen technischen Prozess. Eine Kultur des Teilens zu leben heißt, zunächst die Bereitschaft zu entwickeln, sich auf kollaborative und partizipative Prozesse einzulassen.

Eine Kultur des Teilens, verstanden als die umfassende professionelle und gesellschaftliche Gewohnheit des Teilens und daraus resultierende Tätigkeiten, ist in vielen Bibliotheken gelebte Praxis. Förderliche institutionelle Rahmenbedingung zu schaffen für Kooperation, Teilen und das gemeinsame Verbessern von Materialien, unterstützt den kulturellen Wandel. Bibliotheksleitungen sind daher aufgerufen, sich für Fort- und Weiterbildung stark zu machen, die Beschäftigte in Bibliotheken dazu befähigt, mit freien Materialien kompetent umzugehen.

Die Strategie einer Bibliothek im Kontext von OER kann darauf ausgerichtet sein, den Fokus auf die Sensibilisierung für den Umgang mit freien Wissensressourcen zu richten und deren Verbreitung zu unterstützen. Die gemeinsame Produktion von Materialien (z. B. Konzepte für Veranstaltungen oder Führungen), die schließlich unter freier Lizenz der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden, ist ein guter Anfang. Flankierend kann die kollaborative Erarbeitung eines entsprechenden Leitbildes und die Verabschiedung einer Open-Policy den Kulturwandel unterstützen.

Der Bibliotheksleitung fällt die Aufgabe zu, den Rahmen für die Öffnung der Bibliothek in Richtung offener Daten und freier Materialien zu schaffen. Die einzelnen Bibliotheks- und Informationsfachkräfte sind hauptverantwortlich dafür, sich fortlaufend weiterzubilden und ihre Kompetenzen und Fähigkeiten zu erweitern.*

Darüber hinaus muss Wissen über OER und der Umgang mit freien Daten und Materialien bereits in den bibliotheksfachlichen Ausbildungs- und Studiengängen vermittelt werden.

Fazit

Ladina Tschander: Fazit (In: Erfolgreiches Management von Bibliotheken und Informationseinrichtungen, hrsg. von Prof. Dr. Konrad Umlauf • Prof. Cornelia Vonhof, Hamburg: Dashöfer 2015, Abschn. 8.3.3.1.3)

Bibliotheken können einen spezifischen Beitrag zur Einführung von OER leisten, indem sie für die Verbreitung von Wissen um OER sorgen und freie Materialien gegebenenfalls hosten und erschließen. Speicherung und Erschließung sind genuine Dienstleistungen von Bibliotheken, hier käme noch die Verbreitung des Wissens um OER in Communities (beispielsweise durch Multiplikatoren) und die Stimulierung der Praxis von OER hinzu. Eine Kultur des Teilens braucht eine Infrastruktur und ein Wissensmanagement. Bibliotheken sind ein wichtiger Baustein dafür.

Open Access

Ladina Tschander: Open Access (In: Erfolgreiches Management von Bibliotheken und Informationseinrichtungen, hrsg. von Prof. Dr. Konrad Umlauf • Prof. Cornelia Vonhof, Hamburg: Dashöfer 2015, Abschn. 8.3.3.2)

Seit rund 20 Jahren engagieren sich Hochschulbibliotheken im Bereich Open Access und haben essentiell zur Verbreitung der Open-Access-Pulikationen beigetragen. Politisch getragen wird die Bewegung durch Open-Access-Strategien in Deutschland, Österreich oder der Schweiz. Mit dem Plan S setzt sich Europa das Ziel, dass ab dem Jahr 2021 staatlich finanzierte Forschungsergebnisse in für die Öffentlichkeit frei zugänglichen Zeitschriften oder Open-Access-Repositorien publiziert werden müssen. Damit soll erreicht werden, dass wissenschaftliche Forschungsergebnisse sofort zugänglich sind. Open Access soll zum Standard des wissenschaftlichen Publizierens werden.

Die Transformation im Publikationswesen ist vorangeschritten. Dennoch ist das Ziel noch nicht erreicht: Gemäß dem Open-Access-Monitor sind in den letzten fünf Jahren 55 % aller wissenschaftlichen Zeitschriftenartikel im Open Access erschienen (siehe https://open-access-monitor.de/#/home). Dies zeigt, dass noch eine gewisse Überzeugungsarbeit geleistet werden muss, um die ambitionierten politischen Ziele zu erreichen.

Der Startpunkt von schnell und frei zugänglichen wissenschaftlichen Ergebnissen liegt in den Preprint-Servern der Physik in den 1980er Jahren. Bereits Ende der 1990er Jahre entwickelten Hochschulbibliotheken Repositorien, in welchen Publikationen der eigenen Institution in elektronischer Form gesammelt, erschlossen und frei zugänglich gemacht wurden. Mittlerweilen ist die Zahl offener Repositorien weltweit stark angestiegen: Im Directory of Open Access Repositories (OpenDOAR) waren im August 2020 5.395 Repositorien verzeichnet.

Abb. 1: Swiss Academies of Arts and Sciences, Pfister Roger, Lauer Gerhard, Agosti Donat, Appenzeller Claudia, Girardclos Stéphanie, Hürlimann Daniel, u. a. „Open Science in Switzerland: Opportunities and Challenges“. Zenodo, 29. Juli 2019. https://doi.org/10.5281/zenodo.3248929. S.3

Eng mit den institutionellen Repositorien verbunden sind der grüne und hybride Weg des Open Access. Publikationen können in Subskriptionszeitschriften meist nach einer Embargo-First frei ins Repositorium gestellt werden (grün) oder es wird eine Gebühr für die Freistellung bezahlt (hybrid).

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