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Provenienzklärung und Restitution - Wirkungsreferenz durch Management: Kennzahlen, Leitbild und Governance

Garantiert 10.9.2012, Jürgen Weber, Quelle: Verlag Dashöfer GmbH

Jürgen Weber: Provenienzklärung und Restitution - Wirkungsreferenz durch Management: Kennzahlen, Leitbild und Governance (In: Erfolgreiches Management von Bibliotheken und Informationseinrichtungen, hrsg. von Prof. Dr. Hans-Christoph Hobohm • Prof. Dr. Konrad Umlauf, Hamburg: Dashöfer 2012, Abschn. 2.2.1.3)

Im Zuge des New Public Management sind seit Anfang der 1990er Jahre moderne Managementkonzepte auf den öffentlichen Sektor übertragen worden. Die Konzepte hatten nicht nur verbesserte technische Verfahrensweisen zum Ziel, sondern sollten auch die konzeptionelle Arbeit der Verwaltungsführungen verstärkt auf handlungskoordinierende Sichtweisen lenken. Ziel war die Trennung betrieblich relevanter Entscheidungen der Fachverwaltungen von den politisch-strategischen Entscheidungen, wie sie z.B. durch die Gemeinsame Erklärung zum Ausdruck kommen. An die Stelle der Selbstreferenz der Berufe mit Betonung berufsständischer Standards sollte, verkürzt gesagt, Wirkungsreferenz durch Management treten. Kunden- und Dienstleistungsorientierung sollten die betriebswirtschaftlichen Verfahren ergänzen, die seit Ende der 1970er Jahre auch im Bibliotheksbereich erfolgreich eingeführt worden waren.

Von der damit verbundenen Binnenmodernisierung der Bibliotheksverwaltungen konnte das Aufgabenfeld der Provenienzklärung und Restitution jedoch nicht profitieren. So werden die Ergebnisse der NS-Raubgutforschung weder in Indikatoren, z.B. Kennzahlen, statistisch erfasst, noch findet sich die Selbstverpflichtung der Gemeinsamen Erklärung in einem der Leitbilder wieder, die sich Bibliotheken als Mission gegeben haben, noch sind Strukturen aufgebaut worden, die dauerhaft externe juristische und gutachterliche Kompetenz und beratende, evaluierende Gremien einbeziehen. Solche Elemente wären deutliche Indizien für einen proaktiven, rechenschaftsfähigen und transparenten Umgang auch mit NS-Raubgut.

Provenienzklärung und Restitution sind bis 2011 in keinem der zahlreichen Kompendien für Bibliotheksverwaltung und -management berücksichtigt worden. Das ist unverständlich, bietet die inzwischen gut entwickelte, wirkungsorientierte Verwaltungskultur der Bibliotheken doch günstige Voraussetzungen für die effektive Bearbeitung der Aufgabe. Bibliotheken sind Teil des Bildungssystems und als wissenschaftliche Einrichtungen auch Teil der Forschungsinfrastruktur. Aus diesen funktionalen Zusammenhängen heraus können sie durch eine verbesserte Governance das Management von Provenienzklärung und Restitution neu justieren und geeignete Verfahren zur Steuerung und Handlungskoordination entwickeln, und zwar (a) in Hinsicht auf die politisch-administrativen Aspekte der Durchführung von Restitutionsverfahren und (b) in Hinsicht auf die fachwissenschaftlichen, bibliothekarischen Standards und Techniken der Dokumentation der Provenienz- und Restitutionsdaten. Dafür, ob und in welchem Umfang auch neue Formen zivilgesellschaftlicher Teilhabe, z.B. Runde Tische, berücksichtigt werden können, gibt es noch keine Beispiele.

Governance soll dabei im Sinne einer Lenkungsform verstanden werden, wie sie als „Educational Governance“ schon für den Hochschulbereich beschrieben wurde (vgl. Educational Governance. Handlungskoordination und Steuerung im Bildungssystem, hg. Herbert Altrichter [u.a.], Wiesbaden: VS, 2007). Ziel ist es, die Handlungen der auf mehreren Ebenen beteiligten Akteure so zu koordinieren, dass die finanziellen, organisatorischen und personellen Reserven einer Institution hier zugunsten des Restitutionsprozesses mobilisiert werden. Bezogen auf die Anforderungen, die sich aus der „Handreichung (2007)“ für den Umgang mit NS-Raubgut ergeben, lassen sich daraus für das Sammlungsmanagement in Bibliotheken folgende handlungskoordinierenden Leitlinien und Verfahrensvorschläge ableiten.

(a) Politisch-administrative Aspekte: Nach der „Handreichung (2007)“ ist bei der Vorbereitung von Restitutionen „ein ausschließlich reaktiver Ansatz unzureichend“ (S. 8). Um über den appellativen Charakter hinaus, den die Selbstverpflichtung der Gemeinsamen Erklärung nur haben kann, proaktives Handeln zu fördern, müssen Anreizsysteme geschaffen werden. So sind z.B. die Fördermittel zu verstehen, die Bund und Länder über die Berliner Arbeitsstelle für Provenienzrecherche/-forschung seit 2008 gewähren. Über die Einwerbung solcher Projektmittel hinaus sollen die Einrichtungen aber auch auf dem Feld der Provenienzklärung in eine Wettbewerbssituation gebracht werden, in der – durch die Generierung statistisch verwertbarer Daten – Quantität und Intensität ihrer Aktivitäten ablesbar, überprüfbar und vergleichbar dargestellt werden. Auf diesen Wettbewerb müssen sich die Bibliotheken vorbereiten.

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