Themen
Termine und Adressen
 
Per E-Mail versenden
Diese Funktion steht nur angemeldeten Mitgliedern zur Verfügung.
Drucken

TU Berlin: Hohe Auszeichnung für ein großes, noch zu schreibendes Werk

24.9.2014, Online-Redaktion Verlag Dashöfer, Quelle: Technische Universität Berlin
Prof. Dr. Bénédicte Savoy erhielt die Opus-Magnum-Förderung der Volkswagen-Stiftung und ist für zwei Jahre von der Lehre befreit, um Zeit für ein großes Buchprojekt zu haben. Darin soll es um Schriftsteller, Künstler und Kunstgelehrte gehen, die von Museums- und Bibliotheksobjekten inspiriert wurden.

Die Kunsthistorikerin Bénédicte Savoy ist mit der Opus-Magnum-Förderung der Volkswagen-Stiftung ausgezeichnet worden. Die Auszeichnung ermöglicht der Professorin für Kunstgeschichte an der Fakultät I Geisteswissenschaften der TU Berlin ihr Buchprojekt „Paris – Hauptstadt der deutschen Romantik“ umzusetzen. Damit erhält zum ersten Mal ein Mitglied der TU Berlin die Opus-Magnum-Förderung.

Die Förderinitiative Opus Magnum unterstützt außergewöhnliche Professorinnen und Professoren der Geistes- und Gesellschaftswissenschaften, damit sie die Möglichkeit haben, eine herausragende wissenschaftliche Publikation zu verfassen.

Um das Buchprojekt zu verwirklichen, ist Bénédicte Savoy wie neun weitere deutschlandweit ausgezeichnete Professorinnen und Professoren bis zum Jahr 2016 von allen dienstlichen Aufgaben in der Lehre befreit. Vertreten wird sie von Prof. Dr. Bärbel Küster, bisher Vertretungsprofessorin für Kunstwissenschaften und Medientheorie in Stuttgart, die ebenfalls von der Stiftung finanziert wird. Für die Vertretung stellt die Stiftung 150.000 Euro und einen Sachmittelzuschuss in Höhe von 20.000 Euro zur Verfügung.

In dem Werk von Bénédicte Savoy soll es um Schriftsteller, Künstler und Kunstgelehrte gehen, die von Museums- und Bibliotheksobjekten inspiriert wurden. Denn um 1800, so scheint es, entwickelte sich Paris als selbsternannte Hauptstadt des Universums unter Napoleon zu einem Zentrum der deutschen Romantik. Aus dem deutschsprachigen Raum strömten Scharen von Schriftstellern, Sammlern, Künstlern und Komponisten in die französische Hauptstadt und bedienten sich dort auf intensivste Weise der im Zuge der Revolution gegründeten Museen und Bibliotheken. Seltene Handschriften und Museumsobjekte lösten Reize und Erkenntnisse aus, die eine ganze Generation zu eigener geistiger und ästhetischer Substanz formte.

Zum Beispiel Friedrich Schlegel:
Um 1800 hatte Friedrich Schlegel als 30-Jähriger zum ersten Mal Gelegenheit, in der Handschriftenabteilung der Pariser Nationalbibliothek Sanskrit zu lernen. Einige Jahre später veröffentlichte er in Köln seine große Monographie „Über die Sprache und Weisheit der Indier“ (1808).

Oder Jacob Grimm:
Ebenfalls in der Pariser Nationalbibliothek stöberte in den Jahren 1805 und 1815 der junge Jacob Grimm nach mittelalterlichen Handschriften und stellte dabei brieflich überlieferte philologische Vergleiche an, die ihn als Sprachforscher und „Vater“ der Germanistik zeitlebens beschäftigen sollten.

Und auch die malenden Künstler:
Im selben Zeitraum strömten Dutzende von jungen Malern nach Paris, um sich im Musée Napoléon (Louvre) und in den Privatateliers großer Malerstars wie Jacques-Louis David auszubilden. Sie entdeckten dabei die Malerei Raffaels und Van Eycks und lasen sich abends gegenseitig die Nibelungen vor. Kunstgelehrte und Museumsmänner wie Johann David Passavant und Gustav Friedrich Waagen kamen während ihrer Pariser Lehrjahre um 1800 mit Kunstwerken in Berührung, die ihren Zugang zur Kunstgeschichte und zur Institution Museum entscheidend prägten.

Dies sind nur einige wenige Beispiele. Im geplanten Buch soll, ausgehend von diesen und anderen Fällen, ein interdisziplinärer, dezentrierter und objektorientierter Beitrag zur Geschichte der deutschen Romantik geleistet werden. Damit versteht es sich auch als Beitrag zur Verflechtungsgeschichte Europas undnd nicht zuletzt als Versuch, eine Geschichte von Museums- und Bibliotheksobjekten als Initialzünder für tiefgreifende ästhetische Prozesse zu schreiben. Es geht also in erster Linie um das Verhältnis von Menschen zu Dingen und damit um die Würdigung der Institutionen Museum und Bibliothek als Orte aktiver Aneignungsmöglichkeiten durch die Generationen hindurch – bis heute.


Per E-Mail versenden
Diese Funktion steht nur angemeldeten Mitgliedern zur Verfügung.
Drucken