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Traumhafte Aussichten – die Deutsche Digitale Bibliothek

17.2.2012, Online-Redaktion Verlag Dashöfer, Quelle: Dagmar Giersberg
Seit 2007 laufen die Planungen und Vorarbeiten für die Deutsche Digitale Bibliothek – und langsam nimmt das Jahrhundertprojekt, mit dem das kulturelle Erbe Deutschlands für jeden frei zugänglich gemacht werden soll, konkrete Gestalt an. Lesen Sie hier einen Überblick über den Stand der Dinge.

Das kulturelle Gedächtnis einer Nation, frei zugänglich für alle Bürgerinnen und Bürger: Bücher, Urkunden, Noten, Fotos, Filme, Musik, Kunstwerke, Denkmäler, Ausstellungen. Das ist die Vision, die sich hinter dem vorläufigen Arbeitstitel „Deutsche Digitale Bibliothek“ verbirgt. Gestalt annehmen soll sie in einem zentralen, nationalen Internetportal, das die digitalen Angebote aller deutschen Kultur- und Wissenschaftsinstitutionen miteinander vernetzt. Der Weg dahin ist weit.

Neuartige Wissenskultur durch digitale Vernetzung

„Die Deutsche Digitale Bibliothek ist ein bildungs-, wissenschafts-, kommunikations- und kulturpolitisches Jahrhundertprojekt“, erklärt Professor Hermann Parzinger, der Vorstandssprecher des Kompetenznetzwerks der Deutschen Digitalen Bibliothek (DDB). Für den Präsidenten der Stiftung Preußischer Kulturbesitz ist der uneingeschränkte und allumfassende Zugang zu Wissen und Kultur ein Traum: „die definitive Demokratisierung des Wissens und die kulturelle Teilhabe von Jedermann.“

Wird dieser Traum Wirklichkeit, so könne das die Kulturnation Deutschland verändern. „Die Kultur- und Wissenschaftsinstitutionen werden in eine ganz neue Dimension digitaler Vernetzung vorstoßen. Aus der Verknüpfung von Museen, Bibliotheken, Archiven und anderen Kulturspeichern wird eine neuartige Wissenskultur mit weltweiter Verbreitung erwachsen.“

Vom Konzeptentwurf zum Pilotbetrieb

Seit Sommer 2007 arbeitet ein Kompetenznetzwerk mit Vertretern aus Bund, Ländern und Kommunen an der Umsetzung dieser vielversprechenden Idee. Ein Konzept wurde entwickelt, Studien zur technischen Machbarkeit und zu den Erwartungen der potenziellen Nutzer wurden durchgeführt. Mittlerweile steht die technische Infrastruktur kurz vor der Evaluierung. Entwickelt wurde sie von der Fraunhofer-Gesellschaft (dem Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme IAIS) und dem FIZ Karlsruhe – Leibniz-Institut für Informationsinfrastruktur.

Darüber hinaus haben sich die für den Betrieb der DDB verantwortlichen Entscheidungsgremien mit Vorstand, Mitgliederversammlung und Kuratorium des Kompetenznetzwerks konstituiert. Sie steuern die weitere Entwicklung, wobei die Deutsche Nationalbibliothek die technische Koordination übernimmt. Mehrere Arbeitsgruppen widmen sich zentralen Themen wie beispielsweise der Präsentation der Inhalte, der Verwaltung der Metadaten, aber auch der internen wie externen Kommunikation.

Nationaler Beitrag zur Europeana

Getragen wird die DDB, die zugleich der nationale Beitrag zur Europeana.eu ist, vom Bund, von den Ländern und den Kommunen. Für den Aufbau der Infrastruktur hat der Bund aus dem IT-Investitionsprogramm des Deutschen Bundestages 8 Millionen Euro zur Verfügung gestellt, für den Betrieb haben Bund und Länder ab 2011 für fünf Jahre 2,6 Millionen Euro jährlich zugesichert.

„In den kommenden Wochen und Monaten muss nun die Entscheidung über den definitiven Namen fallen. Die Bezeichnung ‚Deutsche Digitale Bibliothek‘ war von Anfang an nur ein Arbeitstitel, weil er nicht hinreichend klar macht, dass es eben nicht nur um Bibliotheken, sondern auch um Museen, Archive, Cinematheken und mehr geht“, berichtet Hermann Parzinger. Zudem wird gerade ein Datenüberlassungsvertrag vorbereitet, der die Regeln festlegt, nach denen Kultur- und Wissenschaftseinrichtungen ihre digitalen Inhalte in die DDB einspielen.

Geplanter Start: Mitte 2012

Etwa Mitte 2012 soll die DDB – unter neuem Namen – für einen dann eventuell noch eingeschränkten Pilotbetrieb freigeschaltet werden. Beim geplanten Start werden mindestens 4 Millionen Digitalisate aus 13 einschlägigen Einrichtungen zugänglich gemacht. Das ist dann der erste kleine, öffentlich sichtbare Schritt in Richtung große Vision.

In der Anfangsphase wird es schwierig sein, die hochgesteckten Erwartungen der Nutzer nicht zu enttäuschen. „Natürlich muss sich das Portal dann stetig weiterentwickeln und mit immer neuen Inhalten versehen werden. Das ist die größte Herausforderung. Man wird nach Finanzierungsquellen zur Digitalisierung von Kulturgut suchen und sich dabei mit potenten Partnern – Wissenschaftsfördereinrichtungen wie auch privaten Firmen – zu einer gemeinsamen Strategie verbünden müssen. Außerdem bedarf es eines Masterplans, der hinsichtlich der Priorisierung der zu digitalisierenden Inhalte spartenbezogen eine Richtung vorgibt“, sagt Hermann Parzinger.

„Dieses Großprojekt ist in vielerlei Hinsicht eine enorme Herausforderung, technisch, organisatorisch, inhaltlich und in der Kommunikation, und sie wird noch lange ganzen Einsatz erfordern, um zu einem wirklichen Erfolg zu werden. Doch am Ende wird es eine wunderbare Möglichkeit sein, das kulturelle Erbe und die kulturellen Errungenschaften Deutschlands weltweit sichtbar und erlebbar zu machen.“

Quelle: Dagmar Giersberg, Goethe-Institut e. V.

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