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Zum Umgang mit NS-verfolgungsbedingt entzogenem Kulturgut

2.10.2014, Online-Redaktion Verlag Dashöfer, Quelle: Deutscher Kulturrat e.V.
Der Deutsche Kulturrat legt eine Stellungnahme zur Neuordnung der Provenienzrecherche vor.

Der Deutsche Kulturrat, der Spitzenverband der Bundeskulturverbände, positioniert sich in einer Stellungnahme zum Umgang mit Kulturgut, welches durch direkte Auswirkung der NS-Politik entzogen, d.h. geraubt oder abgepresst wurde. Unter Kulturgut versteht der Deutsche Kulturrat Werke der bildenden Kunst, Archivalien, Bücher und weitere Artefakte wie z.B. Musikalien, technisch-naturwissenschaftliche und kunstgewerbliche Gegenstände etc.

Der Deutsche Kulturrat beschränkt sich aufgrund der aktuellen Debatten zur Neuordnung der Provenienzrecherche von NS-verfolgungsbedingt entzogenem Kulturgut bewusst auf diese Zeit, wohlwissend, dass Raub von Kulturgut auch in anderen Kontexten stattgefunden hat und immer noch stattfindet. Er unterstreicht, dass die Diskussion um NS-verfolgungsbedingt entzogenes Kulturgut getrennt von der Debatte um Kulturgut, welches in der Aktion »Entartete Kunst« beschlagnahmt wurde, gesehen werden muss.

Der Deutsche Kulturrat …

  • betont in seiner Stellungnahme nachdrücklich, dass die Debatte um NS-verfolgungsbedingt entzogene Kulturgüter nicht nur oft erhebliche materielle, sondern ebenso stets auch wesentliche ideelle Werte einschließt. Zurückgegebenes NS-verfolgungsbedingt entzogenes Kulturgut ist oft die einzige materielle Erinnerung, die die Nachfahren von Verfolgten des NS-Regimes haben.
  • begrüßt in seiner Stellungnahme die deutliche Etaterhöhung für Provenienzforschung durch Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Prof. Monika Grütters, MdB.
  • erwartet, dass auch die Länder – angestoßen durch die aktuellen Diskussionen um NS-verfolgungsbedingt entzogenes Kulturgut – zusätzliche Mittel für die Provenienzrecherche bereitstellen.
  • begrüßt in seiner Stellungnahme die Bündelung der bisherigen Bund-Länder-Aktivitäten zur Provenienzrecherche in einem »Deutschen Zentrum Kulturgutverluste«.
  • fordert in seiner Stellungnahme, dass die Ressourcen zur Pflege der Datenbank »lostart.de« aufgestockt werden. Ebenso müssen die Kriterien zur Einstellung von Kulturgütern geschärft werden. Das geplante »Deutsche Zentrum Kulturgutverluste« sollte im Streitfall kompetent darüber entscheiden können, ob ein Kulturgut zu Recht oder zu Unrecht in der Datenbank »lostart.de« aufgeführt ist.
  • ermutigt in seiner Stellungnahme die Verantwortlichen in Kultureinrichtungen die Bestände ihrer Einrichtung gründlich auf NS-verfolgungsbedingt entzogenes Kulturgut untersuchen zu lassen.
  • begrüßt in seiner Stellungnahme die Einrichtung von Studiengängen zur Provenienzrecherche. Er sieht Handlungsbedarf, diese Angebote auszubauen und zu verstetigen.
  • fordert in seiner Stellungnahme, dass Kunsthandelsverbände den Verkauf von Objekten mit eindeutig belasteten Provenienzen ausdrücklich ächten.
  • ist der Auffassung, dass in die durch Projektmittel unterstützte Provenienzrecherche auch Privatsammlungen einbezogen werden sollten.

Der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann, sagte: "Verschiedene Direktoren und Leiter von Kultureinrichtungen sind in den letzten Jahren mit gutem Beispiel vorangegangen und haben die Bestände ihrer Einrichtung gründlich auf NS-verfolgungsbedingt entzogenes Kulturgut untersuchen lassen. Sie haben damit ein beschämendes Schweigen in den Kultureinrichtungen durchbrochen und den Weg für eine Auseinandersetzung mit der Geschichte der Einrichtungen geebnet. Diese Beispiele sollten für alle Verantwortliche in Kultureinrichtungen, aber auch den Kunsthandel und den privaten Sammlern, ein Ansporn sein, jetzt ähnliche Aktivitäten zu unternehmen."

Die Stellungnahme des Deutschen Kulturrates "Zum Umgang mit NS-verfolgungsbedingt entzogenem Kulturgut" kann hier nachgelesen werden.


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